Was ist Orderflow Trading? – Einführung, Strategien & Tools

Einleitung & Erklärung: 

Unter dem Orderflow Trading versteht man das interpretieren von aktuellen Limit Orders im Markt und bereits ausgeführten Orders in der Vergangenheit. Trader versuchen anhand börsengehandelten Volumen die Marktrichtung hervorzusagen. Dafür werden verschiedene Tools benutzt, die ich in diesem Artikel erläutern möchte. Auch ein lesen des Order Flows in einem normalen Chart ist möglich.

Vorteile vom Orderflow Trading: 

  • Sehr gut geeignet für das kurzfristige Trading (Daytrading und Scalping )
  • Sehen Sie exact warum der Preis sich bewegt
  • Erhalten Sie mehr Informationen über den Markt
  • Haben Sie Vorteile gegenüber dem normalen Charttrader
  • Einblick in die aktuelle Liquidität im Markt

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Den Orderflow verstehen lernen

Bevor man mit dem Orderflow oder Volumen Trading beginnt muss man den Order Flow verstehen. Wie entsteht der Preis an der Börse und wie funktionieren die Orders? – Dies möchte ich Ihnen im folgenden Abschnitt erklären.

Im Orderflow Trading beobachtet man in den meisten Fällen die direkte Preisfindung an der Börse. Der Preis kann sich jede Millisekunde ändern. Man sagt der Preis ändert sich immer je nach Angebot und Nachfrage. Dies ist richtig, aber wie funktioniert es genau? Im unteren Bild sehen Sie einen Screenshot des Orderbuches.

Direkter Einblick in den Order Flow dank dem Orderbuch

Das Orderbuch bzw. die Preisfindung funktioniert durch Market Orders und Limit Orders. Es ist wichtig das Zusammenspiel dieser beiden Orderarten zu verstehen.

Limit Orders: 

ASK (Sell Limit Orders) und BID (Buy Limit Orders) zeigen die Limit Orders auf verschiedenen Preisen. Händler wollen bei einem bestimmten Preis kaufen oder verkaufen. Sie warten auf eine Ausführung der Order. Nur eine Market Order kann eine Limit Order auslösen.

Bei der Buy Limit Order (BID) möchten Trader bei einem bestimmten Preis kaufen. Limit Orders können auch dafür genutzt werden, um eine Position zu schließen. Bei der Sell Limit Order möchten Trader bei einem bestimmten Preis verkaufen.

Market Orders: 

Bei der Eröffnung einer Market Order wird die Order zum nächst besten Preis ausgeführt. Es gibt eine Buy und Sell Market Order. Die Buy Market Order löst die Sell Limit Order aus (ASK) und die Sell Market Order löst die Buy Limit Order (BID) aus. Auch Buy Stops oder Sell Stops haben die Funktion einer Markt Order und können für Positionseröffnungen oder Positionsschließungen genutzt werden.

Die Preisbildung mit Orderflow:

Im Markt werden konstant Market Orders mit Limit Orders miteinander vernetzt. Gibt es auf dem BID oder ASK zu wenige Limit Orders muss sich der Preis ändern. Da das Angebot oder die Nachfrage zu hoch ist.

Beispiel:

Auf dem ASK zum Preis 50€ befinden sich 100 Sell Limit Orders und ein Trader kauft per Market Orders das Volumen von 120 Kontrakten. 100 Market Orders werden zum Preis von 50€ ausgeführt und die restlichen Market Orders werden zum Preis von 51€ ausgeführt, wenn dort weitere Limit Sell Orders verfügbar sind.

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Tools & Software für das Orderflow Trading

Der Orderflow kann mit verschiedenen Tools dargestellt werden. Die Informationen der Börse und das Volumen werden graphisch dargestellt. Es gibt Indikatoren, Orderbuch und viele weitere Tools für die Analyse. In der folgenden Sektion möchte ich Ihnen die bekanntesten Tools vorstellen. Das Prinzip ist insgesamt immer das selbe aber es gibt verschiedene Darstellungsformen, die bei der Analyse des Orderflows helfen.

Die bekanntesten Tools für die Orderflow Analyse: 

Auf einige der Tools werde ich nun genauer eingehen. Aber welche Software sollte man für das Orderflow Trading benutzen? Welche Software ist die beste für das Orderflow Trading?

Orderfllow Trading Software vorgestellt:

Um ein erfolgreiches Orderflow Trading durchzuführen, benötigen Sie eine spezielle Software für die Terminkontraktmärkte. Die Plattformen für das Orderflow Trading sind komplexer als normale Chartprogramme und kosten in der Regel auch Geld. Sie können aber auch bei manchen Plattformen eine kostenlose Testversion beantragen.

Meine Wahl für das Order Flow Trading ist die Software ATAS (Advanced Time and Sales), da diese sehr benutzerfreundlich ist und die meisten Tools für die Analyse bietet. Auch in Deutschland gibt es eine große Community, die mit dieser Software handelt. Die gezeigten Screenshots auf dieser Webseite entstammen der Software.

ATAS Order Flow Trading Software

Die Software gibt es in einer 14 tägigen kostenlosen Testversion oder per Monatsabonnement zu kaufen. Die Preise sind hier recht flexibel und Sie können auch eine Lifetime-Lizenz erwerben. Profitieren Sie von professionellen Tools für das Orderflow Trading. Diese Software bietet Ihnen die nötigen Einstellungsmöglichkeiten, um den Orderflow perfekt zu analysieren.

ATAS ist für mich der klare Testsieger, denn ich habe schon andere Plattformen, wie Sierra Chart oder NinjaTrader, getestet. Die Software eignet sich auch für Anfänger, denn sie ist leicht zu bedienen. Jedes einzelne Tools ist nach Ihren Wünschen anpassbar.

Die Vorteile von ATAS:

  • Kostenlose Testversion
  • Abonnements oder Lifetime-Lizenzen
  • Sehr benutzerfreundlich
  • Professionelle Tools (Orderbuch, Volume Profile, Footprint, Smarttape, Orderflow Indikatoren)
  • Deutscher Support
  • Universell nutzbar

So bekommen Sie die Marktdaten (Datenfeed) für das Order Flow Trading

Für das Orderflow Trading benötigen Sie die echten Börsendaten von der jeweiligen Börse bei der Sie handeln möchten. Es gibt verschiedene Datenanbieter, die den Datenfeed für einen kleinen Preis verkaufen. Je nach Börse kann der Preis variieren. Für Trader, die den Handel zuerst testen wollen, bietet der Anbieter CTS auch einen kostenlose Testversion an.

Sie müssen die Trading Software mit dem Datenfeed verbinden, um die direkten Daten von der Börse zu sehen. Wenn Sie den Datenfeed nicht einbinden, wird sich der Chart nicht bewegen. Im unteren Bild sehen Sie einen verbundenen Datenfeed:

Verbundener Datenfeed der Order Flow Trading Software

Der Datenfeed wird über einen Broker gebucht, der auch gleichzeitig den eigenen Handelsaccount verlinkt. Sie benötigen also ein Brokerkonto bei einem Futurebroker, um die Daten zu buchen. Sie können beispielsweise ein Handelskonto eröffnen und eine kleine Summe einzahlen. Im Kundenbereich lässt sich dann der Datenfeed für die jeweilige Börse buchen. Der CME Datenfeed kostet ca. 5$. Europäische Börsen sind in der Regel teurer.

Empfohlener Broker für das Orderflow Trading

Aus persönlichen Erfahrungen kann ich den Broker Dorman Trading für das Orderflow Trading empfehlen. Dieser Broker hat die besten Konditionen für den Handel mit Derivaten. Sie können bequem im Kundenbereich einen Datenfeed buchen und danach den Tradingaccount mit der Software verbinden.

Dorman Trading ist ansässig in den USA und ist dort strengstens reguliert. Kunden können Futures über verschiedene Plattformen und Börsen handeln. Die Mindesteinzahlung liegt bei nur 500$ und es gibt einen 24 Stunden Support.

Offizielle Webseite von Dorman Trading

Der Broker unterstützt nahezu jede Orderflow Trading Software und Datenfeed. Lizenzen für Handelsplattformen können auch über Dorman Trading gebucht werden. Meiner Meinung nach eignet sich dieser Anbieter für jeden Einsteiger und fortgeschrittenen Trader, da man mit einer geringen Mindesteinzahlung starten kann und die Gebühren niedrig sind. Außerdem wird was jeder Markt bzw. Börse angeboten.

Vorteile für Dorman Trading:

  • Reguliert und lizenziert in den USA
  • Günstiger Broker für Terminkontrakte
  • Die beste Wahl, um einen Datenfeed zu buchen
  • Geringe Mindesteinzahlung von 500$
  • 24 Stunden Support
  • Unterstützt fast jede Software, Datenfeed und Börse

Hilfreiche Orderflow Tools

Nun möchte ich auf verschiedene Order Flow Tools und abschließend auf eine Trading Strategie eingehen. Das bekannteste Tool (Orderbuch) habe ich Ihnen schon weiter oben erklärt. Die anderen Tools werden Ihnen helfen den Order Flow zu verstehen und perfekte Einstiege für Trades zu finden. Ich persönlich finde es wichtig, dass man den Orderflow nicht zu verkompliziert sondern sich an die Hauptinformationen hält, die der Markt einem gibt.

Volumen Profile erklärt

Das Volumen Profile zeigt Ihnen das vertikal gehandelte Volumen auf jedem Preis an. Sie können somit erkennen welche Preise interessant für Trader sind und welche nicht. Über Interpretationen lässt sich bestimmen, ob der Preis fair oder unfair ist.

Orderflow Trading mit dem Volumen Profile

Der am meisten gehandelte Volumen wird mit dem VPOC (Point of control) dargestellt (rote Linie). Ebenfalls sieht man die „Value Area“, die durch die beiden schwarzen Linien abgegrenzt ist. Die Value Area ist der Bereich mit dem 70% des gehandelten Gesamtvolumens. Nach der Theorie des Volumen Profiles liegt innerhalb der Value Area ein fairer Preis, weil dort ein hohes Volumen getradet wird.

Mit dem Volumen Profile entstehen wirkungsvolle Strategien. Man kann zum Beispiel den Trend über mehrere Tage bestimmen oder wichtige Zonen als Support oder Resistenz benutzen. Der Preis reagiert aus meinen Erfahrungen auch gerne an unberührten VPOCs von vergangenen Tagen. Dieses Tool sollte unbedingt von jedem Orderflow Trader benutzt werden.

Vorteile vom Volumen Profile:

  • Erkennen Sie das gehandelte Volumen per Preis
  • Wichtige Marken werden automatisch gezeichnet
  • Feststellung des Trendes
  • Verschiedene Volumen Strategien sind möglich
  • Einstellbar auf jeden Zeitrahmen

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Orderflow Trading Strategie mit Big Trades

Zu meiner Orderflow Trading Strategie gehört der Indikator „Big Trades“ oder „Cluster Search“ in der Software ATAS. Mit diesem Indikator können Sie große Positionen/Trades/Volumen im Markt herausfiltern und graphisch anzeigen lassen. In Verbindung mit der Technischen Analyse oder dem Volumen Profil kann dieser Indikator sehr gute Einstiegsmöglichkeiten geben.

Screenshot Big Trades in Verbindung mit dem Volumen Profile:  

Perfekte Order Flow Trading Strategie

Im oberen Screenshot sehen Sie eine gute Möglichkeit das Volumen Profile in Verbindung mit dem Indikator Big Trades zu nutzen. Ich habe die wichtige Stelle für Sie blau markiert. Der Big Trade Indikator zeigt automatisch große gehandelte Positionen bzw. Volumen im Markt an. Rot steht für Verkaufspositionen und grün steht für Kaufspositionen.

Was wir hier erkennen ist, dass der Markt ein hohes Volumen an dem VPOC von gestern anzeigt. Zudem sind es große Verkaufspositionen (rot). Dies bedeutet an dieser Preisstelle wurde viel verkauft, aber der Markt ist nicht weiter gefallen sondern ging nach oben. Sie erkennen eine Absorption von Verkaufspositionen durch starke Käufer. Nach der nächsten Kerze findet man einen perfekten Einstieg in diesen Trade.

Worauf es zu achten gilt:

Hohes Volumen kann durch eröffnete oder geschlossene Positionen kommen. Es gibt Händler, die aus unterschiedlichen Gründen große Positionen schnell abstoßen müssen. Dann kann es auch zu einem Auslöser des Big Trade Indikators kommen. Dies ist aber optimal für unsere Strategie. Trotz hohem Sell Volumen kann der Markt steigen (Screenshot oben), denn Käufer halten dagegen.

Viel wichtiger ist es darauf zu achten: Was macht der Markt nach dem hohen Volumen und an welchem speziellen Preis wird das hohe Volumen angezeigt.

Einstiege verfeinern mit dem Footprint Chart

Der Footprint Chart ist ein weiteres wichtiges Tool für das Orderflow Trading. Sie erkennen dort auf die Zahl genau das gehandelte Volumen bzw. die Kontrakte. Auch darüber habe ich schon einen kompletten Artikel verfasst (hier lesen).

Mit dem Footprint Chart erkennen Sie wie viele Kontrakte auf der Kaufs- (ASK) und Verkaufsseite (BID) gehandelt wurden. Es ist ein Spiegelbild des Orderbuches. Wird eine Limit Order durch eine Market Order ausgelöst zeigt Ihnen der Footprint Chart es an.

Screenshot des Footprint Charts:

Orderflow im Footprint Chart

Auch hier wird Ihnen das am meisten gehandelte Volumen angezeigt (eingerahmte Box). Diese Chartdarstellung zeigt Ihnen wirklich was in einem Candlestick Chart passiert. Durch einen steigenden oder fallenden VPOC lässt sich auch hier der Trend feststellen.

Sie erkennen auch bei welchen Preisen der Markt dreht oder stoppt, weil ein Käufer oder Verkäufer gegen die Market Orders gegen hält. Ebenfalls kann der Marktdruck auch abnehmen, weil kein Trader mehr kaufen oder verkaufen will. Der Preis muss sich anschließend ändern.

Trendwechsel im Footprint Chart

Sie erkennen oben wurden nur noch 8 und einmal 5 Kontrakte in der Preisrange gekauft. Danach sank der Preis nach unten. Dies ist ein typischen Beispiel für die „Austrocknung“ des Orderflows. Kein Trader möchte mehr zu den oberen Preisen kaufen und die Verkäufer übernehmen den Markt.

Orderflow im Footprint Chart:

  • Sehen Sie die Stärke von Käufern und Verkäufern
  • Erkennen Sie das exakte Volumen
  • Sehen Sie Trendwechsel
  • Erkennen Sie bei welchen Preisen der Markt nicht mehr weiter kommt
  • Verschiedene Strategien möglich

Fazit: Orderflow Trading bringt weitere Vorteile

Aus meinen Erfahrungen bringt das Orderflow Trading einen enormen Vorsprung gegenüber normalen Chart-Traders. Sie können mit der Order Flow Analyse genau analysieren warum der Preis sich ändert. Sie bekommen einen genauen Einblick in den Mechanismus der Börse.

Auf dieser Seite habe ich Ihnen einige Tools für das Order Flow Trading vorgestellt und es gibt noch viele weitere. Als Software eignet sich meiner Meinung nach am besten ATAS, weil diese Plattform sehr benutzerfreundlich ist. Haben Sie Zugriff auf hunderte Indikatoren für die Technische sowohl die Order Flow Analyse.

Am wichtigsten ist es das Prinzip der Preisbildung zu verstehen. Dies habe ich am Anfang dieser Seite erklärt. Dadurch lassen sich Trading Strategien und erfolgreiche Methoden ableiten.

Viel Erfolg beim Handel!

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Zuletzt geupdated am 19/11/2022 von Andre Witzel

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