Kurs-Cashflow-Verhältnis erklärt – Berechnung und Beispiele

Was ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis und wie funktioniert es? – Auf dieser Seite erkläre ich Ihnen Schritt für Schritt und wie man es für die Aktienanalyse verwendet. Lernen Sie die wichtigsten Infos über den Cashflow, Vor- und Nachteile, Berechnungen anhand echter Beispiele.

Definition und Bedeutung des Cashflows

Der Cashflow eines Unternehmens steht für die tatsächlichen Gewinne, die dem Unternehmen zur freien Verfügung stehen. Irrtümlicherweise nehmen viele Anleger an, dass der Jahresgewinn eines Unternehmens den realen Gewinn widerspiegelt. Dies ist unzutreffend, denn nur beim Cashflow werden steuerliche Aspekte und Abschreibungen als auch finanzielle Rückflüsse zur Rücklagenbildung berücksichtigt. Am Ende der Berechnung bleibt der reine Gewinn, der die Ertragskraft eines Unternehmens realitätsnah widerspiegelt. 

Die Ertragskraft ist ein essenzieller Faktor beim Investieren. Je besser die Ertragskraft einer Firma, desto krisenresistenter ist das Unternehmen. Produzenten oder Dienstleister mit einem unzureichenden Cashflow und einer geringen Ertragskraft haben oftmals hohe Verbindlichkeiten gegenüber Kreditgebern und sind in ihrem finanziellen Handlungsspielraum eingeschränkt. Ein weiterer Terminus ist Liquidität, der in diesem Zusammenhang häufig verwendet wird. In unsicheren Zeiten, wie zum Beispiel bei rapiden Kursschwankungen und dergleichen, können Firmen mit einer verminderten Liquidität in eine finanzielle Misslage kommen. 

Mit dem Cashflow lassen sich Unternehmen erkennen, die Gefahr laufen wirtschaftlich ins Wanken zu kommen. Ein hoher Jahresgewinn suggeriert Anlegern oftmals Liquidität und Profitabilität, was unter Umständen nur bedingt zutrifft. Deshalb kommt dem Cashflow eine wichtige Bedeutung zu, weil Anleger die Ertragskraft ermitteln können. Ein hoher Umsatz kann somit zu einer Insolvenz führen, wenn die Gewinne nicht die Fixkosten decken können. Folglich sind die Umsätze nicht maßgebend, bzw. nur bis zu einem gewissen Grad bedeutsam. 

Die Zusammensetzung des Cashflows

Ausgangspunkt für die Ermittlung des Cashflows ist der erwirtschaftete Gewinn. Anschließend werden die Ausgaben mit den Gewinnen saldiert, um hieraus die Ertragskraft zu ergründen. Der Gewinn wird in Relation zu den Ausgaben gestellt, wie zum Beispiel Personalkosten, Schuldenzahlungen. Es werden Anschaffungskosten für materielle Güter berücksichtigt und vieles mehr.

Der Restbetrag, bzw. der Saldobetrag ergibt letztlich den Cashflow, also den Finanzfluss, der dem Unternehmen zur freien Verfügung bleibt. Der Cashflow ist nicht nur für Anleger von fundamentaler Bedeutung, sondern auch für Firmen selbst. Mit dem Cashflow können Unternehmer das eigene Wirtschaften auf Profitabilität prüfen. Kommt es zu einem negativen Wert, so handelt es sich um einen sogenannten Cash-Loss. In solchen Fällen sind Umstrukturierungsmaßnahmen vonnöten, um aus dem negativen Saldo zu kommen.

Verschiedene Arten des Cashflows

Zur Ermittlung des Cashflows gibt es verschiedene Varianten. Drei Varianten, die in den Quartalsberichten von Unternehmen anzutreffen sind, ist der Operating Cashflow, der Financing Cashflow und der Investing Cashflow. Sie werden unter der Rubrik Cashflow-Statements publiziert. 

Operating Cashflow

Der Operating Cashflow wird allgemein hin für die Berechnung des KCV-Wertes verwendet, weil er mehr Aussagekraft hat. Bei dieser Variante des Cashflows wird der Kapitalfluss des Kerngeschäftes mit den Einnahmen und Ausgaben saldiert. Die anderen Methoden beziehen sich auf einen Teilaspekt des Unternehmens. 

Investing Cashflow

Beim Investing Cashflow geht es um die Darstellung von Zahlungsflüssen, die für Neuanschaffungen benötigt worden sind. Dabei ist sowohl eine Investition als auch Desinvestion von Anlagevermögen möglich. Es handelt sich somit um den Kauf und Verkauf von materiellen Gütern. 

Financing Cashflow

Der Financing Cashflow gibt an, wie der Verlauf der Zahlungsmittelbestände ist. Anleger können anhand des Financing Cashflows einsehen mit welchen Mitteln sich das Unternehmen finanziert. Auf diese Weise lassen sich Rückschlüsse über die Liquidität ziehen. 

Bedeutung vom Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) für Investoren

Anleger können rechnerisch ergründen, wie das Verhältnis vom Kaufpreis der Aktie zur Ertragskraft des Unternehmens ist. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist somit ein essenzieller Wert für Investoren, der eine wichtige Basis für Entscheidungen bildet. Ein KCV-Wert lässt sich, aufgrund der guten Verfügbarkeit von Kennzahlen, schnell ermitteln. Auf diese Weise können Unternehmen miteinander verglichen werden.

Investoren können mit den Zahlenwerten zwischen liquiden und illiquiden Unternehmen differenzieren, ungeachtet der Umsatzhöhe. Zudem sind die Jahresgewinne, die zum Beispiel beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) verwendet werden – nur bedingt aussagekräftig. Käufer von Aktien vermeiden damit Fehlinvestitionen und sind in der Lage Firmen mit einem profitablen Kerngeschäft rechnerisch zu ermitteln. 

Berechnung des Kurs-Cashflow-Verhältnisses (KCV)

Damit das Kurs-Cashflow-Verhältnis rechnerisch ermittelt werden kann, ist es notwendig den Cashflow pro Aktie zu ermitteln. Die Gesamtsumme, die sich aus dem Cashflow ergibt, wird durch die Anzahl an frei handelbaren Aktien dividiert.


Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  {\frac{Cashflow}{Anzahl\thinspace der\thinspace Aktien}}

Das Ergebnis der Division ergibt den Cashflow pro Aktie, der für die weitere Berechnung des KCV-Wertes benötigt wird. Der Cashflow selbst kann mit den Daten aus dem Cashflow-Statement ermittelt werden, wenn letzterer nicht bekannt ist. Beim Cashflow-Statement handelt sich um die Finanzflussrechnung eines Unternehmens, die in regelmäßigen Abständen publiziert wird. Börsennotierte Firmen sind zur Publikation von Quartalsberichten verpflichtet. Im Regelfall muss der Cashflow pro Aktie nicht separat vom Anleger errechnet werden, weil dieser bereits im Quartalsbericht enthalten ist. 

Schließlich kann das Kurs-Cashflow-Verhältnis mit den Daten mathematisch ermittelt werden. Für die Berechnung wird der operative Cashflow verwendet, denn dieser lässt präzisere Rückschlüsse zu, um ein Unternehmen auf seine Wettbewerbsfähigkeit zu prüfen. Für die Formel wird der aktuelle Aktienkurs – der auf verschiedenen Finanzportalen einsehbar ist – verwendet. Der Quotient aus der Division des Aktienkurses und des operativen Cashflows pro Aktie ergibt den KCV-Wert.


KCV = {\frac{Aktienkurs}{Operativer\thinspace Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie}}

KCV Rechenbeispiel:

Ein Start-up erwirtschaftet 2019 einen Jahresumsatz von 450.000 EUR und weist einen Cashflow von 250.000 EUR auf. An der Börse werden die Aktien mit 40 EUR gehandelt, wobei 100.000 Stück im Umlauf sind. Im Zuge des erfolgreichen Jahres hat die Geschäftsleitung die Tätigkeit auf andere Gebiete ausgeweitet, bzw. im darauf folgenden in neue Projekte investiert.

Infolge weiterer Investitionen in Maschinen und Räumlichkeiten hat das Unternehmen im Jahre 2020 die Umsätze auf 744.000 EUR steigern können, sodass der Aktienkurs auf 50 EUR gestiegen ist. Der Cashflow beläuft sich dennoch – nach Saldierung – lediglich auf 180.000 EUR und hat die Liquidität des Unternehmens verschlechtert, wie das nachfolgende Rechenbeispiel zeigen wird. 

Für 2019:

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  {\frac{Cashflow}{Anzahl\thinspace der\thinspace Aktien}}

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  {\frac{250.000}{100.000}}

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie = 2,5

KCV = {\frac{Aktienkurs}{Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie}}

KCV = {\frac{40}{2,5}}

KCV = 16

Für 2020:

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  {\frac{Cashflow}{Anzahl\thinspace der\thinspace Aktien}}

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  {\frac{180.000}{100.000}}

Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie =  1,8

KCV = {\frac{Aktienkurs}{Cashflow\thinspace pro\thinspace Aktie}}

KCV = {\frac{50}{1,8}}

KCV = 27

Fazit: Obwohl der Aktienkurs gestiegen ist, hat das Unternehmen durch neue Verschuldungen die eigene Ertragskraft geschmälert, was in einer Krise zu Liquiditätsproblemen führen könnte.

Interpretation von KCV-Werten

Es ist die Königsdisziplin unter Aktionären: die richtige Deutung von Werten. Was bringen letztlich reine Zahlenwerte, wenn sie nicht in einem Kontext gebracht werden können? Auf diesem Gebiet gibt es etwaige Deutungsmöglichkeiten, weshalb es zahlreiche Prognosen gibt.

Grundsätzlich gilt:

Je niedriger der KCV-Wert, desto günstiger ist die Aktie. Ein hoher Wert hingegen spricht für einen teuren Preis, bei einer gleichzeitig schwachen Ertragskraft.

Es ist somit ein wichtiger Indikator für Aktionäre. Verschiedene Firmen können nicht nur nach ihrer Umsatzhöhe bewertet werden, sondern auch nach deren wirtschaftlicher Leistung. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis lediglich den Jahresgewinn in Relation zum Aktienkurs setzt, kann der KCV-Wert Aufschluss über den Erfolg des Kerngeschäftes geben. So können zwei umsatzstarke Unternehmen, die identische Jahresgewinne erzielen, auf ihre Profitabilität und Liquidität untersucht werden. 

Damit die Werte gedeutet und mit anderen verglichen werden können, ist es wichtig auf Aktien zu achten, die aus einer Branche kommen. Ein branchenübergreifender Vergleich macht keinen Sinn und wird keine Aussagekraft haben. Denn jede Branche hat eigene Ertragswerte die als “gut” oder “schlecht” eingestuft werden. Für einen umfassenden Vergleich innerhalb einer Branche ist es vorteilhaft einen Median mathematisch zu errechnen. Anleger können den Mittelwert des Cashflows aus Unternehmen einer Branche errechnen. Ausgehend von diesem Mittelwert können einzelne Unternehmen auf ihre Ertragskraft verglichen werden. Durch einen Median gewinnt das Kurs-Cashflow-Verhältnis an Aussagekraft. 

Durch die Interpretation ist es möglich wertvolle Unternehmen zu finden, die sich von der Masse abheben und deren Kerngeschäft andere Unternehmen übertrifft. Idealerweise werden diese Unternehmen von anderen Aktionären als solche noch nicht wahrgenommen, sodass der Aktienkurs im Verhältnis zum Cashflow günstig ist. Sicherlich lassen sich Unternehmen mit viel Potenzial nicht nur mit einer Formel ausmachen, dennoch bietet der KCV-Wert einen guten Ansatz. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist somit wichtiger Bestandteil einer Fundamentalanalyse, die vor allem Value-Investoren für ihre Strategien nutzen. Anleger können den inneren substanziellen Wert mit unterschiedlichen Berechnungen ergründen und auch deuten. 

Aktionäre sollten bei der Deutung stets auf die Informationsquellen achten und Aussagen in Foren oder anderen Finanzplattformen kritisch hinterfragen. Kommt es zu einer Prognose von Aktionären, so gilt es zu prüfen, inwieweit das Handeln unparteiisch ist. Oftmals werden bestimmte Informationsquellen von den Unternehmen selbst finanziert, um eine positive Bilanz den Aktionären zu suggerieren.

Verlässliche Zahlen finden Anleger in den Quartalsberichten und den sogenannten Ad-Hoc-News. Hier dürfen Unternehmen keine irreführenden oder mehrdeutigen Falschmeldungen verbreiten. Unternehmen, die im Prime Standard gelistet sind an der Börse, sind gesetzlich dazu verpflichtet wichtige Kennzahlen zeitnah offen zu legen. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Unternehmen in Zukunft finanzielle Einbußen erleiden wird. 

Möchten Anleger das Kurs-Cashflow-Verhältnis auf eigene Faust analysieren, so ist es wichtig das Kerngeschäft des Unternehmens zu verstehen. Starinvestor Warren Buffet hat nicht umsonst geäußert: “Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst.” Anderenfalls wird es schwer werden die Zahlen in einem logischen Zusammenhang zu bringen. Das Börsengeschehen ist ein hochkomplexes Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Mit reiner Mathematik lassen sich gute Unternehmen nicht finden. Anleger sollten das Kurs-Cashflow-Verhältnis mit vielen weiteren Faktoren abgleichen. 

Je nach Branche und Ausgangslage, kann ein schlechtes Kurs-Cashflow-Verhältnis nur zeitlich begrenzt sein. Es gilt selbst zu ergründen, wie zukunftsfähig das Produkt oder eine Dienstleistung sein wird und wie wettbewerbsfähig das Unternehmen ist. Handelt es sich um ein florierendes Kerngeschäft, so kann das Unternehmen größere Sprünge machen mit den Jahren. Ein zeitlich begrenzter hoher Wert beim Kurs-Cashflow-Verhältnis wäre in diesem Fall gerechtfertigt, auch wenn das Risiko einer Insolvenz höher ist als bei anderen Unternehmen. Investoren, die mit einer Langzeitstrategie arbeiten, sollten nicht nur Werte für einen bestimmten Zeitraum ermitteln. Es geht auch um Prognosen für die Zukunft. Auch hier sagte Warren Buffett treffend: “Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen.” 

Idealerweise werden die Werte über mehrere Jahre verteilt betrachtet. Anderenfalls können die Ergebnisse nur unzureichende Ergebnisse liefern. Denn viele Verbindlichkeiten und Schulden werden von Unternehmen zeitverzögert – zum Teil bewusst – beglichen, um den Cashflow für das aktuelle Jahr zu verbessern. Für Anleger ist es somit wichtig auf Daten der vorherigen Jahre zurückzugreifen. Hieraus kann das Kurs-Cashflow-Verhältnis über einen längeren Zeitraum hinweg interpretiert und gedeutet werden. 

Vor- und Nachteile vom Kurs-Cashflow-Verhältnis

Vorteile:

Ein Vorteil von KCV-Werten ist die schnelle Ermittlungsmöglichkeit, die selbst von Anfängern und Laien kurzerhand zu bewältigen ist. Anhand der Werte können Anleger Unternehmen einer Branche nach ihrer Wirtschaftlichkeit vergleichen, was das Risiko bei einem Investment reduziert. Vor allen Dingen lassen sich unterbewertete Unternehmen finden, die auf dem Markt noch nicht als solche wahrgenommen werden. Aktionäre können langfristige Strategien verfolgen und solide bis hin hohe Renditen erwirtschaften durch das Partizipieren. Beim letzteren geht es um das vorzeitige erkennen von Trends, noch ehe diese eintreten.

Des Weiteren beinhaltet der Cashflow – im Gegensatz zum Jahresgewinn – die Abzüge von Steuern und die Zuführung von Liquiditätsmitteln und dergleichen. Anhand dieser Daten entsteht ein realistischeres Gesamtbild des Unternehmens. Eine Täuschung durch exorbitant hohe Umsätze ist nicht möglich, weil der KCV-Wert in der Regel die tatsächliche Ertragskraft widerspiegelt. Während das Kurs-Gewinn-Verhältnis nur mit einem positiven Jahresgewinn eine Aussagekraft hat, kann das Kurs-Cashflow-Verhältnis auch dann ausgerechnet werden, wenn der KGV-Wert an seine Grenzen kommt. Somit kann das Kurs-Cashflow-Verhältnis ebenfalls bei Verlusten aussagefähige Werte bieten. 

Vorteile im Überblick: 

  • Schnelle Berechnung
  • Leichte Verständlichkeit für Laien
  • Vergleichbarkeit von Unternehmen einer Branche
  • Langfristiges Investieren
  • Ermittlung der Ertragskraft
  • KCV-Berechnung auch bei Verlusten möglich

Nachteile:

Keine Formel für die Börse unfehlbar, weshalb auch das Kurs-Cashflow-Verhältnis nicht nur mit Vorteilen einhergeht. Generell gilt der KCV-Wert als frei von manipulativen Einflüssen, vonseiten der Unternehmen. Es ist richtig, dass der Wert wesentlich mehr Aussagekraft hat, als das Kurs-Gewinn-Verhältnis, doch auch der Cashflow kann Schwankungen unterliegen. Diese Schwankungen können von Unternehmen bewusst herbeigeführt werden, um die eigene Ertragskraft positiver darzustellen.

Firmen können zum Beispiel die eigenen finanziellen Verbindlichkeiten über Jahre hinweg verteilen, bzw. die Zahlungen hinauszögern. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis kann auf unterschiedliche Weise errechnet werden, denn es gibt etwaige Varianten des Cashflows. Dies kann einen Vergleich von Unternehmen erschweren bis hin verfälschen. Zudem lohnt sich ein Vergleich in der Regel nur, wenn das Kerngeschäft über mehrere Jahre hinweg durch Berechnungen bewertetet wird. Denn, wie bereits erwähnt, können Verbindlichkeiten bewusst auf andere Jahre verteilt werden, um potenziellen Anlegern eine vermeintlich bessere Liquidität zu vermitteln. 

Nachteile im Überblick: 

  • Anfällig für Wertschwankungen
  • Aussagefähigkeit bei einem Wert allein unzureichend
  • Verschiedene Varianten des Cashflows erschweren Vergleich

KCV-Werte in Hinblick auf die Anlagestrategie

Die Werte eigenen sich hervorragend für eine Fundamentalanalyse. Value-Investoren, die sich nicht auf Meldungen und Trends verlassen möchten, können mit den Formeln Unternehmen auf ihre Substanz prüfen. Aktienkurse werden häufig von den Emotionen der Anleger beeinflusst. Bestimmte Trends und Technologien können Aktionäre in ihren Bann ziehen, sodass unverhältnismäßig hohe Kurse entstehen. Doch wie lange wird ein Trend halten?

Aus diesem Grund hat Warren Buffett stets in Aktien investiert, die als unlukrativ angesehen wurden. Der Starinvestor hat durch seine analytische Vorgehensweise das Kerngeschäft von Unternehmen präzise einstudiert. Kurzfristig hat er auf vermeintliche schlechte Aktien gesetzt, die sich jedoch auf lange Sicht als wahre Goldgruben erwiesen haben. 

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist ein elementarer Bestandteil der Fundamentalanalyse und sollte in Kombination mit weiteren Formeln zum Einsatz kommen. Eine isolierte Betrachtungsweise von KCV-Werten spiegelt nur einen kleinen Teilaspekt des Unternehmens wider. Deshalb gilt es bei langfristigen Strategien facettenreich zu denken. Langzeitstrategien berücksichtigen nämlich nicht nur den aktuellen oder vergangen Verlauf von Werten.

Es geht viel mehr darum eine kompetente Prognose zu stellen, die in den nächsten Jahren oder Dekaden eintreffen könnte. Starinvestor Warren Buffett spricht an diesem Punkt häufig von der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Er misst der Konkurrenzfähigkeit eine große Bedeutung zu, weil es seiner Meinung nach die Essenz für unternehmerischen Erfolg ist. Aus diesem Grund hat der Starinvestor keine Anteile von Tesla in seinem Portfolio, weil er eben nicht nach Trends geht und – unter anderem – die Wettbewerbsfähigkeit von Tesla anzweifelt. 

Ergänzende Formeln zum Kurs-Cashflow-Verhältnis-Wert

Ein mathematischer Wert, der isoliert betrachtet wird, bietet wenig Spielraum für Deutungen und Interpretationen. Deshalb sollten Aktionäre ihren “Werkzeugkasten” mit weiteren Formeln ausrüsten, um an der Börse solide Unternehmen ausfindig zu machen. Da das Kurs-Cashflow-Verhältnis anfällig für Schwankungen ist, ist es möglich noch andere Formeln zurate zu ziehen, um das Unternehmen auf seine Liquidität oder Illiquidität zu prüfen. 

Um weitere Prüfungen vorzunehmen, ist es möglich die Eigenkapitalquote zu berechnen. Sie gibt wider, inwieweit das Unternehmen über liquide Mittel verfügt, um sich in unvorhersehbaren Situationen durch Eigenkapital abzusichern. Der Quotient aus der Division des Eigenkapitals und der Bilanzsumme ergibt die Eigenkapitalquote.


Eigenkapitalquote = {\frac{Eigenkapital}{Bilanzsumme}}

Konträr zum KCV entspricht ein hoher Wert einer guten Liquidität. Auch hier sollten Anleger einen reflektierten Umgang mit Zahlenwerten pflegen. Es gilt die Werte innerhalb einer Branche zu vergleichen, weil für jede Branche unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten infrage kommen. 

Es gibt noch eine weitere Kennzahl, bzw. Formel, die einfach zu errechnen ist und gleichzeitig eine hohe Bedeutung hat: die Eigenkapitalrendite. Die EKR gibt darüber Auskunft, wie gut die Geschäftsführung beim Reinvestieren des Kapitals ist. Im weitesten Sinne geht es um die Anlagestrategie des Unternehmens selbst. Der Wert zeigt an, wie hoch die Verzinsung des Eigenkapitals ausfällt. Unternehmen mit effizienten Strukturen können mit der Formel erkannt werden. Zur Ermittlung eines Wertes, wird der Reingewinn mit dem Eigenkapital dividiert.


Eigenkapitalrendite = {\frac{Reingewinn}{Eigenkapital}}

Für Value-Investoren ist zusätzlich der Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von elementarer Bedeutung. Der KBV-Wert hat einen Vorteil gegenüber dem Kurs-Cashflow-Verhältnis. Denn beim KBV-Wert wird der Kaufwert einer Aktie ins Verhältnis zur Unternehmenssubstanz gestellt. Es geht somit nicht um die Ertragskraft, sondern um materielle Güter, die dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Ein niedriger Wert unter 1 steht für ein unterbewertetes, bzw. günstiges Unternehmen an der Börse. Jedoch sollten Aktionäre beachten, dass in einigen Branchen – wie in der Automobilbranche – ein niedriger Wert typisch ist, weshalb ein Vergleich mit einen Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor irreführend wäre. 

Ein weiterer Aspekt, der bei Aktionären von Bedeutung sein kann, ist die Dividendenrendite. Vor allem in Zeiten der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank rücken Aktien mit einer Dividendenausschüttung in den Fokus. Mit der Dividendenrendite können Anleger rechnerisch ergründen, wie angemessen die Dividende ist in Vergleich zum aktuellen Aktienkurs. Die Dividendenrendite ergibt sich aus der Division der Nettodividende pro Aktie und dem aktuellen Börsenkurs. Das Ergebnis gibt die prozentuale Höhe der Dividendenrendite an. Aufgrund der Tatsache, dass selbst wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen Dividendenzahlungen vornehmen, sollten Aktionäre weitere Faktoren bei der Aktienauswahl berücksichtigen. 

Fazit: Das Kurs-Cashflow-Verhältnis ist nur ein kleiner Teilaspekt von vielen. Um präzise und realistische Bewertungen vorzunehmen, ist es wichtig auf andere Formeln zurückzugreifen. Anderenfalls kann es zu Fehleinschätzungen kommen, die mit finanziellen Verlusten an der Börse einhergehen. Mit einem Mittelwert aus einer Branche, lassen sich etwaige Unternehmen auf ihre Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit prüfen. 

Mein Schlusswort zum Kurs-Cashflow-Verhältnis

Es lässt sich schlussfolgern, dass das Kurs-Cashflow-Verhältnis ein relevanter Bestandteil ist, wenn es um das Suchen nach unterbewerteten Aktien geht. Investoren mit einer langfristigen Strategie haben mit dem KCV-Wert einen wichtigen Anhaltspunkt, der Aufschluss über die Ertragskraft eines Unternehmens gibt. Zwar ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis isoliert betrachtet nur bedingt aussagefähig, doch mit einem umfassenden Vergleich – unter Einbeziehung von anderen Formeln – lassen sich solide Anlagestrategien herleiten.

Mit einer umfangreichen Analyse ist es möglich den realwirtschaftlichen Wert einer Aktie zu erfassen. Denn Trends trüben oftmals den sachlichen Blick auf eine Aktie und der Aktienkurs unterliegt der Volatilität. Vermeintlich erfolgreiche Aktien, können über Nacht fallen, wenn es dem Unternehmen an Substanz fehlt. 

Mit dem richtigen “Werkzeug” können Anleger mit eigenen Mitteln den Wert einer Aktie ausfindig machen, ungeachtet von aktuellen Trends. Wichtige Kennzahlen lassen sich jederzeit einsehen und Unternehmen im Prime Standard sind gesetzlich verpflichtet regelmäßige Quartalsberichte zu publizieren. Bei einem eigenständigen Analysieren besteht keine Abhängigkeit zu externen Prognosen, hinter denen manchmal Interessensgruppen stehen.

Nicht alle Prognosen sind objektiv und es gilt zu prüfen, auf welche Geldquellen die Experten zurückgreifen. Selbstverständlich ist es wichtig auf den Rat von Börsenexperten zu achten, bzw. dieser ist nicht pauschal als schlecht anzusehen. Letztlich ist es wichtig, dass Anleger ihre Strategie selbst verstehen, einschließlich die Aktien, in die sie ihr Geld investieren. 

Der Erfolg steht letztlich in Abhängigkeit zur Kompetenz und Erfahrung des Anlegers. Aktionäre sollten ihr Handeln fortwährend hinterfragen und ihre Strategien entsprechend adaptieren, bzw. anpassen, sofern es die Situation erfordert. Eine Formel bietet “nur” Zahlenwerte. Doch die Deutung und Interpretation hängt vom Betrachter selbst ab. Wer den richtigen Umgang mit essenziellen Kennzahlen – wie dem Kurs-Cashflow-Verhältnis – lernt, wird langfristig Erfolg an der Börse haben.

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