Blitzschnelle Geschäfte an der Börse: Hochfrequenzhandel – Definition und Erklärung

An der Börse ging es schon immer um Geschwindigkeit. Wer wichtige Informationen als Erster erhält, kann sie zu seinem Vorteil nutzen. Dazu wurden in den Anfängen Brieftauben und Kutschen genutzt. Als später der Parketthandel begann, waren die Sprinteigenschaften der Börsenhändler gefragt. Und was ist heute? Jetzt kommt es darauf an, wer die schnellsten Rechner hat. Das ist die Idee des High Frequency Trading, kurz HFT genannt. In Deutschland wird das Thema Hochfrequenzhandel oft heiß diskutiert. Es geht um Transaktionen an der Börse, die in Bruchteilen von Sekunden durchgeführt werden.

Was hinter dem Hochfrequenzhandel steckt? Erfahren Sie es in diesem Artikel.

Hochfrequenzhandel leicht erklärt – was ist HFT?

Der HFT ist eine Handelstechnik, die sich durch die fortschreitende technische Entwicklung der Finanzmärkte entwickelt hat. Der amerikanische Physiker Doyne Farmer soll den Hochfrequenzhandel erfunden haben. Die Transaktionen werden automatisiert von schnellen Hochleistungsrechnern ausgeführt, hinter denen äußerst komplexe Algorithmen stecken. Durch die extrem kurzen Durchführungsgeschwindigkeiten werden die weltweit unterschiedlichen Kurse eines Titels ausgenutzt. Selten wird ein Wertpapier über den Tag hinaus gehalten.

Die Technik ermöglicht die Aufgabe von Orders innerhalb weniger Millisekunden. Um die Geschwindigkeit in Relation zu setzen: Der Wimpernschlag beim Menschen dauert etwa 35 Millisekunden. Nach Einschätzung von Experten soll der Anteil des Hochfrequenzhandels an den gesamten Transaktionen im EU-Raum rund 50 bis 70 Prozent betragen.

So funktioniert der Hochfrequenzhandel

Um eine Order von einem Computer zum anderen weiterzuleiten, wird lediglich eine 64-Millionstel-Sekunde benötigt. Mittels der automatisierten Systeme durchsucht das HFT eine Vielzahl von Märkten. Während der Mensch in der vergleichbaren Situation am Bildschirm die Informationen sichtet und bewertet, hat das komplexe System die Transaktion bereits optimiert abgeschlossen.

Die Geschwindigkeit führt im Vergleich zum konventionellen Handel zu rechenbaren Vorteilen:

Hohes Volumen in kurzer Zeit

Manche potenziellen Gewinne haben ihre Grenzen durch das zur Verfügung stehende Angebot. Durch die Automatisierung können gleichzeitig viele Orders mit einem hohen Volumen durchgeführt werden. Somit lässt sich beispielsweise ein günstiger Kurs an verschiedenen Börsen nutzen, bevor dieser wieder steigt. Dies ist im Börsenjargon als Volumen Trading bekannt.

Auf kurzfristige Gelegenheit sofort reagieren

Der Spruch “solange der Vorrat reicht” gilt in einigen Fällen auch an der Börse. Mit dem Hochfrequenzhandel kann der Trader günstige Gelegenheiten nutzen, die nur für eine äußerst kurze Zeit bestehen. Diese Möglichkeit kann sich beispielsweise ergeben, wenn sich institutionelle Anleger von größeren Aktienpaketen trennen. Strukturiert ein Aktienfonds sein Portfolio neu und stößt ein größeres Paket eines Unternehmens ab, wird gemäß den Gesetzen von Angebot und Nachfrage der Kurs kurzfristig sinken. Hieraus kann ein menschlicher Börsenhändler aufgrund der extrem kurzen Zeitspanne kaum Kapital schlagen. Während der Kurs sich nach einigen Minuten erholt hat, ist der Algorithmus aber bereits wieder beim Verkauf.

Bei dem Beispiel wird das Prinzip deutlich: Durch die Automatisierung und den blitzschnellen Handel können kleinste Kursschwankungen profitabel genutzt werden.

Arbitrage – Preisunterschiede verschiedener Märkte nutzen

Unter normalen Umständen ist es kaum möglich, mit diesen Differenzen Gewinne zu realisieren. Schließlich sind die Märkte inzwischen global vernetzt und die Kurse werden in Echtzeit aktualisiert.

“Unter normalen Umständen” bedeutet: Synchronisierung von weltweiten Börsen innerhalb einer halben Sekunde. Genau in dieser Zeit ermöglicht der Hochfrequenzhandel die Durchführung einer Vielzahl von Orders. Auf diese Weise lassen sich selbst mit kaum wahrnehmbaren Schwankungen von Währungen Gewinne einfahren.

Vorteile des Hochfrequenzhandels für die Marktteilnehmer

Nach Feststellung der Deutschen Börse trägt HFT wesentlich dazu bei, dass die Liquidität im Handel mit Wertpapieren erhöht wird. Daneben werden die Spreads (Differenz von Kursen bei Ankauf und Verkauf) reduziert. Dadurch profitieren die Unternehmen von niedrigeren Finanzierungskosten. Der Hochfrequenzhandel ist aus dieser Sicht von volkswirtschaftlichem Nutzen.

Weitere Experten bestätigen, dass eine befürchtete Volatilität an den Märkten nicht eingetreten ist. Wissenschaftliche Studien zeigen in dem Zusammenhang, dass der Einfluss von HFT auf die Volatilität des Aktienmarktes keine große Rolle spielt.

Historische Entwicklung des Hochfrequenzhandels

Die amerikanische Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) genehmigte 1999 den Hochfrequenzhandel. In den Jahren danach entwickelte sich vor allen die Technik in einem rasenden Tempo weiter.

Die Handelstechnik gewann in den folgenden Jahren stark an Popularität und das Handelsvolumen stieg. Das Volumen ging nach der Finanzkrise 2008 zunächst zurück. Nachdem sich die Verunsicherung an den Börsen gelegt hatte, nahm auch das HFT wieder zu. Seitdem ist das Thema allerdings immer wieder umstritten. Nicht zu vernachlässigen sind ebenso die nach wie vor sehr hohen Kosten, die mit der Technik verbunden sind. Technisch ist inzwischen ein weiteres Thema hinzugekommen: die Leitungsqualität. Daher spielen teilweise die Standorte für HFT eine große Rolle (Nähe zum Börsenplatz), um jede Millisekunde zu nutzen.

Um erfolgreich im Hochfrequenzhandel zu sein, ist neben den üblichen Kenntnissen der Finanzmärkte eine hohe Kompetenz im technischen Bereich notwendig. Die Entwicklung der Algorithmen ist aufwendig und die Implementierung schlagkräftiger Technik sehr kostenintensiv. Da HFT darüber hinaus erlaubnispflichtig ist, bleibt die Handelstechnik darauf spezialisierten Unternehmen vorbehalten.

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Diskussionen um Risiken des HFT halten an

Die Kritik am Hochfrequenzhandel setzt vor allem an der Bereicherung an fiktiven Werten an. Das bedeutet, dass Gewinne durch hochgezüchtete Computer in Form von minimalen weltweiten Kursschwankungen mitgenommen werden. Sie befürchten dadurch generelle Marktverwerfungen durch Profitoptimierung einiger weniger.

Nach einer Umfrage, die von der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) bei den Mitgliedern der Investment-Branche durchgeführt wurde, betrachten etwa zwei Drittel aller Befragten HFT kritisch. Unter den Parteien im Deutschen Bundestag fordert vor allem Bündnis 90/Die Grünen eine stärkere Regulierung. Interessanterweise fordern sie allerdings keine Abschaffung des Hochfrequenzhandels. Sie kritisieren insbesondere erhöhte Kosten für die langsameren Marktteilnehmer und das volkswirtschaftlich negative technologische Wettrüsten.

Insgesamt konzentrieren sich die Risiken auf folgende Punkte:

  • Es besteht eine absolute Abhängigkeit von der Technik. Hier können Fehler innerhalb der Computersysteme oder Netzwerke fatale Folgen haben.
  • HFT kann zur Manipulation verwendet werden. Das bedeutet eine illegale Bereicherung weniger, die korrekte Marktteilnehmer mit Verlusten bezahlen.
  • Bei mangelnder Regulierung kann ein generelles Misstrauen in die Märkte entstehen.

Der Begriff “Flash-Crash” wirkt bis heute nach

6. Mai 2010: Automatisierte Handelsprogramme lösen an der New Yorker Börse einen massiven Kursverfall aus. In kürzester Zeit verlor der Index Dow Jones 1.000 Punkte. Dies bedeutete einen Verlust von neun Prozent. Bereits nach wenigen Minuten drehte der Markt wieder. Der Flash-Crash war entstanden, indem Computerprogramme eines Händlers eine riesige Menge Verkaufsaufträge erteilt hatten. Dies löste eine Kettenreaktion weiterer Systeme aus.

Kritiker des Hochfrequenzhandels fühlten sich in ihren Thesen bestätigt, dass HFT durch herdenhaftes Verhalten Krisen verstärken. Dahinter steckt die Annahme, dass sich viele Algorithmen ähneln und somit sofort Aktien verkaufen, sobald ein bestimmter Punktestand unterschritten wird. Mehrere Hochfrequenzhändler stiegen direkt nach dem Kurseinbruch sofort wieder ein und haben dabei ordentlich verdient.

Hochfrequenzhandel: gesetzliche Regulierung

Die USA haben nach der Finanzkrise von 2008 reagiert: Der Dodd-Frank Act wurde 2010 verabschiedet. Im Kapitel für den Hochfrequenzhandel wurde vor allem der Identitätsdiebstahl verboten. Darüber hinaus wurden die Ermittlungen seitens des Justizministeriums verstärkt und zusätzliche Ressourcen gegen Marktmanipulation bereitgestellt.

Die MiFID-2-Richtlinie aus 2017 hat im Bereich des Wertpapierhandels umfangreiche Auflagen für den EU-Raum festgelegt, was beispielsweise die Dokumentation von Wertpapierberatungen angeht. In dem Zusammenhang wurden ebenso Regelungen für den Hochfrequenzhandel beschlossen. Die Handelsplätze wurden angewiesen, hinreichend Kapazität vorzuhalten, um Aufträge von Hochfrequenzsystemen ausführen zu können. Außerdem sollten Aktivitäten zum Marktmissbrauch erkannt werden. Die Nachvollziehbarkeit der Transaktionen, einschließlich der Teilnehmer, muss jederzeit gewährleistet sein.

Deutschland als Vorreiter: HFT bereits seit 2013 reguliert

Im Mai 2013 trat in Deutschland das Hochfrequenzhandelsgesetz in Kraft. Seitdem ist die Tätigkeit eines Hochfrequenzhändlers erlaubnispflichtig. Es müssen beispielsweise Anforderungen hinsichtlich des Risikomanagements erfüllt werden. Daneben bestehen nach diesem Gesetz festgelegte Kontrollpflichten für die Computersysteme.

Mit dem Gesetz wurde das Order-to-Trade-Ratio/OTR geregelt. Das bedeutet, für das Verhältnis zwischen Eingabe, Änderung und Löschung von Aufträgen dürfen bestimmte Quoten nicht überschritten werden. Damit soll die Manipulationsmöglichkeit eingeschränkt werden. Die Deutsche Börse hat zusätzlich nach eigenen Angaben umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, beispielsweise Plausibilitätsprüfungen sowie Volatilitätsunterbrechungen eingeführt, um den Risiken entgegenzuwirken.

Die gesetzlichen Regelungen haben offensichtlich nicht zu einem Rückgang des Hochfrequenzhandels an deutschen Börsen geführt.

Fazit: Vorteile nutzen und Missbrauch durch gesetzliche Regulierungen verhindern

Wie die technischen Voraussetzungen und die gesetzlichen Regulierungen vermuten lassen, ist der Hochfrequenzhandel eine Angelegenheit für Profis. Ausschließlich Banken und andere große Finanzinstitute verfügen über die technischen Ressourcen und vor allem die finanziellen Mittel für diese Handelstechnik. Einigkeit herrscht über einen wesentlichen Vorteil für Unternehmen: HFT bringt höhere Liquidität in den Handel von Wertpapieren und dadurch sinken die Spreads. So werden Kapitalkosten für Unternehmen gesenkt.

Flash Trader können durch fingierte Aufträge die Märkte manipulieren. Das kann zusätzlich einen Dominoeffekt weiterer Hochfrequenzhändler auslösen. Um solche Marktverwerfungen zu verhindern, ist eine spezifische Regulierung erforderlich. Daneben müssen die bestehenden Kontrollmechanismen laufend überprüft werden.

Selbst Kritiker wie die Partei der Grünen im Bundestag wollen den Hochfrequenzhandel nicht verbieten lassen. Eine funktionierende Regulierung scheint angesagt zu sein. So können die Vorteile, welche durch die erhöhte Liquidität entstehen, sinnvoll genutzt werden. Letztlich darf nicht unterschätzt werden, dass die technischen Weiterentwicklungen des Börsenhandels auch beim Verbraucher meistens direkt oder indirekt durch günstigere Trading-Bedingungen angekommen sind.

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