Discounted Cash Flow Verfahren – Berechnung, Formel und Beispiele

Der Discounted Cash Flow dient zur inneren (fairen) Wertermittlung eines Unternehmens. Die Kennzahl nutzt die Abzinsung von Zahlungsströmen, um einen aktuellen Kapitalwert zu ermitteln. Aus diesem Grund wird sie in der deutschen Sprache auch als abgezinster Zahlungsstrom bezeichnet. Der zu erwartende Cashflow eines Unternehmens wird diskontiert, um hierüber Prognosen für die Zukunft zu geben. Es bestehen unterschiedliche Varianten für die Berechnung zur Verfügung. Der Kennzahl vom Discounted Cash Flow wird international ein hohes Maß an Aussagekraft zugesprochen, weshalb sie wichtig für Investoren und Aktionäre ist.

Der Cash Flow als Grundlage

Bevor der Discounted Cash Flow definiert und hergeleitet werden kann, soll an dieser Stelle das Wissen zum Cash Flow als betriebswirtschaftliche Bilanzkennzahl in Erinnerung gebracht werden. Dieser kleine Exkurs ist notwendig, damit die Berechnung und die Aussagekraft vom Discounted Cash Flow verstanden werden kann. Der Cash Flow bezeichnet in einem Unternehmen den Geldfluss innerhalb einer Abrechnungsperiode.

Im Gegensatz zum Gewinn werden somit nur die tatsächlich geflossenen Gelder gezählt und fiktive Ausgaben ausgeklammert. Der Cash Flow gibt an, wie viel Geld tatsächlich innerhalb einer Abrechnungsperiode erwirtschaftet wurde. Grob gesagt handelt es sich um eine einfache Differenzrechnung zwischen Einnahmen und Ausgaben. Selbstverständlich kann am Ende dieser Rechnung auch ein Defizit stehen und der Cash Flow somit negativ sein. Im Gegensatz zum Gewinn gilt der Cash Flow als der ehrlichere Wert.

Discounted Cash Flow per Definition:

Der Discounted Cash Flow gibt aus den zukünftigen Zahlungsströmungen eines Unternehmens an, wie viel dieses in Wirklichkeit heute wert ist. Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Unternehmen als Investitionsobjekt zu sehen ist, welches das vorhandene Kapital dafür nutzt, seinen Wert zu steigern. Für die Unternehmensbewertung nach Discounted Cash Flow werden Vorhersagen über die Zukunft einbezogen, weshalb das Ergebnis je nach Prognosemodell unterschiedlich ausfallen wird.

Ein richtig oder falsch gibt es somit nicht, jedoch liefert der Discounted Cash Flow einen guten Anhaltspunkt für die faire Unternehmensbewertung. Außerdem geben die Kapitel der unterschiedlichen Berechnungsmethoden Aufschluss darüber, dass je nach Rechenart ein anderes Ergebnis entstehen kann. Die Berechnung des Discounted Cash Flow dient vor allem Investoren, die so einen realen Blick auf das zu analysierende Unternehmen erhalten. Außerdem ist die Kennzahl für Kleinanleger sinnvoll. Hierüber lässt sich prüfen, ob der aktuelle Aktienkurs eines Unternehmens eher überbewertet oder unterbewertet ist. Der Discounted Cash Flow ist somit eine Entscheidungshilfe für die Auswahl von Aktien.

Hinweis:

Ein Richtig und Falsch gibt es beim Discounted Cash Flow nicht. Das Unternehmen wird bewertet.

Basiswerte für den Discounted Cash Flow

Der Discounted Cash Flow arbeitet, wie bereits erwähnt, mit zukünftigen Ertragsraten eines Unternehmens. Der tatsächliche aktuelle Wert ist dabei eher nebensächlich. Er dient dazu, die zukünftigen Cash Flows zu prognostizieren. Deshalb werden die aktuelle Bilanz und die GuV nur dafür genutzt, die entsprechenden Zahlen in die Zukunft zu übertragen. Da beim Discounted Cash Flow stets die Zukunft im Vordergrund steht, werden die zu erwarteten Cash Flows eines Unternehmens nicht einfach summiert.

Dies würde zwar zu einem Ergebnis führen, jedoch wäre der Aspekt der Inflation in keiner Weise betrachtet. Aus diesem Grund findet eine Diskontierung der Werte statt. In einem ersten Schritt müssen jedoch die Cash Flows der kommenden Jahre bestimmt werden. Diese bilden die Grundlage bei der Errechnung der zukünftigen Unternehmenswerte. Die folgenden Kapitel befassen sich mit dem Prognostizieren der zukünftigen Cashflows sowie dem Diskontierungsansatz.

Diskontierung des Cash Flows

Geld verliert im Laufe der Zeit an Wert, was an der Inflation oder an Zinsen liegen kann. Aus diesem Grund müssen die Cash Flows ab ihrem jeweiligen Entstehungsjahr bis zum heutigen Datum diskontiert werden. Das Diskontieren ist das Gegenteil der Zinseszinsberechnung. Im Gegensatz zu einer stetigen Vermehrung kommt es zu einer andauernden Abwertung der Beträge. Das Ergebnis aus einer Abzinsung ist der Barwert eines Unternehmens oder in diesem Fall der Barwert vom Zahlungsstrom.

Der Cash Flow wird für die Abzinsung durch einen Diskontierungssatz dividiert. Dieser Satz ist für alle Jahre gleich und muss je nach Unternehmen individuell errechnet werden. Der Diskontierungssatz errechnet sich aus Eigenkapital, Fremdkapital, den jeweiligen Kostensätzen und der Ertragssteuer. All dies wird in der WACC-Methode mit einer Formel bestimmt. Nähere Erläuterungen dazu folgen im Kapitel “WACC-Ansatz“.

Prognose des Cash Flows

Damit der Discounted Cash Flow berechnet werden kann, müssen zunächst die Cash Flows der Jahre prognostiziert werden, die in den gewünschten Berechnungszeitraum einfließen sollen. Diese Prognose ist wichtig, da von ihr die Ergebnisse des Discounted Cash Flow maßgeblich beeinflusst werden. Die Abweichungen im Ergebnis hängen somit stark davon ab, wie gut sich ein Cash Flow prognostizieren lässt. Dies ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich.

Ein Unternehmen, welches über Jahre ein konstantes Geschäft besitzt, kann leichter budgetieren als ein junges Start-Up. Viele Betriebe setzen bei der Prognose vom Cash Flow auf Financial Models. Hierzu gehören eine Plan-Bilanz, eine Plan-GuV und ein Plan-Cash Flow. Diese lassen sich häufig für drei bis fünf Jahre auf einzelne Posten genau berechnen. Im Anschluss an diesen Zeitraum wird das Unternehmenswachstum nur noch mit Prozentzahlen gemessen und der Cash Flow hiernach prognostiziert.

Den Discounted Cash Flow berechnen

Nachdem die benötigten Werte für den Discounted Cash Flow erklärt wurden, kann die Formel aufgestellt werden. Wie bereits festgestellt, muss der Cash Flow aus dem jeweiligen Jahr diskontiert werden. Die Division des Zahlungsstroms erfolgt durch immer höhere Werte, da der Exponent der Formel dem Jahr entspricht, aus dem der Cash Flow stammt. Somit sind die Zahlungsströme in ferner Zukunft auf die heutige Zeit gerechnet weniger Wert. Die Formel für den Discounted Cash Flow lautet:


DCF = {\frac{CF1}{(1+r)}} + {\frac{CF2}{(1+r)^2}} + {\frac{CF3}{(1+r)^3}} + ......... + {\frac{CFn}{(1+r)^n}}

Der Discounted Cash Flow wird über die vorgestellte Formel aus den abgezinsten Zahlungsströmen errechnet. Damit ist die innere Wertermittlung eines Unternehmens jedoch noch nicht abgeschlossen. Die Unendlichkeit eines Unternehmens und dessen Fremdkapital fließen zudem in die Formeln ein. Für die Berechnung der Unternehmenswerte im Zusammenhang mit dem Discounted Cash Flow stehen vier verschiedene Methoden zur Verfügung, die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen können und unterschiedliche Ansätze verfolgen. Die folgenden Kapitel beschreiben die jeweiligen Methoden, die in die zwei Rubriken “Brutto” und “Netto” unterteilt werden können. Die Brutto-Methode ist wiederum in drei Ansätze aufgeteilt.

DCF Beispiel: Discounted Cash Flow der Ruby GmbH

Die Ruby GmbH stellt Aktenkoffer her und möchte den heutigen Wert der zukünftigen Zahlungsströme ermitteln. Über das Prognoseinstrument Financial Modelin wurden die zukünftigen Cash Flows der Jahre 2022 – 2026 bestimmt. Diese können der folgenden Tabelle entnommen werden. Das Unternehmen rechnet mit einem Diskontierungssatz von 5 %.

  • 2022: 644.000 EUR
  • 2023: 778.000 EUR
  • 2024: – 229.000 EUR
  • 2025: 312.000 EUR
  • 2026: 875.000 EUR

Eingetragen in die Formel ergibt sich folgende Rechnung:


DCF = {\frac{644.000}{(1+0,05)}} + {\frac{778.000}{(1+0,05)^2}} + {\frac{-229.000}{(1+0.05)^3}} + {\frac{312.000}{(1+0.05)^4}} + {\frac{875.000}{(1+0.05)^5}}

DCF = 613.333 + 705.668 + (-197.818) + 256.683 + 685.585

DCF = 2.063.451 EUR

Die zukünftigen Geldströme der kommenden fünf Jahre der Ruby GmbH haben heute einen Wert von 2.063.451 EUR. Diese fließen anhand unterschiedlicher Methoden in die Berechnung des Unternehmenswertes ein.

Die Entity-Methoden

Die Entity-Methoden sind eine Möglichkeit, den realen Unternehmenswert inklusive seiner Zukunftsprognosen zu errechnen. Die Methoden haben gemeinsam, dass zunächst von einer vollständigen Eigenfinanzierung mit 100 % Eigenkapital ausgegangen wird. Erst im Anschluss erfolgt der Abzug vom Fremdkapital. Im Normalfall wird bei den Entity-Methoden nur das betriebsnotwendige Vermögen errechnet. Zusätzliches Anlage- oder Kapitalvermögen wird abschließend auf den diskontierten Unternehmenswert aufgerechnet.

Dieser Schritt ist nachvollziehbar, da nicht betriebsnotwendiges Vermögen keine Auskunft über den zukünftigen Erfolg einer Unternehmung hat. Innerhalb der Entity-Methoden wird zwischen drei Ansätzen unterschieden. Die Methoden WACC (Weighted Avarage Cost of Capital), APV (Adjusted Present Value) und TCF (Total Cash Flow) sollen im Folgenden detailliert beschrieben werden.

WACC-Ansatz

Der WACC-Ansatz dient in erster Linie dazu, den Diskontierungssatz für den prognostizierten Cash Flow der kommenden Jahre zu bestimmen. Somit ist das Ergebnis der Formel zunächst ein Prozentsatz, mit dem die weitere Unternehmensbewertung vorgenommen werden kann. Der Prozentsatz an sich kann bereits für Investitionstätigkeiten reichen, da er die Renditeausschüttungen beschreibt, die ein Unternehmen seinen Kapitalgebern und Investoren im Durchschnitt zahlt. Für die Berechnung des Diskontierungssatzes werden verschiedene Einflussfaktoren benötigt. Hierzu zählen:

  • Eigenkapital
  • Fremdkapital
  • Gesamtkapital
  • Eigenkapitalkostensatz
  • Fremdkapitalkostensatz
  • Ertragssteuer

Die Faktoren Eigenkapital, Fremdkapital und Gesamtkapital lassen sich problemlos aus einer Bilanz des Unternehmens ablesen. Schwieriger wird es bei den Kostensätzen. Der Fremdkapitalkostensatz kann am ehesten über die durchschnittlichen Zinssätze errechnet werden, die ein Unternehmen für sein Fremdkapital zu zahlen hat. Alternativ hilft der Vergleich mit den Kupons von Unternehmensanleihen aus der gleichen Branche. Der Eigenkapitalkostensatz muss hingegen errechnet werden, was über das Capital Asset Pricing Model (CAPM) möglich ist.

Die Formel für das CAPM lautet wie folgt:


Erwartete\thinspace Rendite = Risikofreier\thinspace Zins + Beta * (erwartete\thinspace Marktrendite - risikofreier\thinspace Zins)

Der risikofreie Zins beschreibt die Rendite aus Staatsanleihen des jeweiligen Landes, die Zahl Beta dient der Risikoeinstufung des Unternehmens gegenüber dem Markt und die erwartete Marktrendite lässt sich aus einem der Branche entsprechenden Aktienindex prognostizieren.

Beispiel: Eigenkapitalkostensatz berechnen

Die Ruby GmbH befindet sich in einem Marktumfeld dessen Risiken von den Staatsanleihen Deutschlands abgeleitet werden. Der Zinssatz hierfür liegt bei 0,1 %. Das Unternehmen ist robust und unterliegt kaum Schwankungen, weshalb die Zahl Beta mit 0,9 festgelegt wurde. Die Aktien der Branche haben im vergangenen Jahr ein Plus von 7 % erwirtschaftet.


Eigenkapitalkostensatz = Risikofreier\thinspace Zins + Beta * (erwartete\thinspace Marktrendite - risikofreier\thinspace Zins)

Eigenkapitalkostensatz = 0,1 + 0,9 * (7 - 0,1)

Eigenkapitalkostensatz = 6,31%

Nachdem die Bestandteile der WACC-Formel aufgeschlüsselt und hergeleitet wurden, kann die Formel im nächsten Schritt aufgestellt werden. Die Eigenkapitalquote wird dabei mit der Eigenkapitalrendite aus der Formel CAPM verrechnet. Zudem wird die Fremdkapitalquote mit dem Kupon verrechnet. Im Anschluss muss das Ergebnis aus dem Fremdkapital mit dem Ertragssteuersatz verrechnet werden, da die Fremdkapitalzinsen steuerlich abzugsfähig sind.

Die Formel für den Diskontierungssatz lautet:


WACC = {\frac{Eigenkapital}{Gesamtkapital}} * Eigenkapitalkostensatz + {\frac{Fremdkapital}{Gesamtkapital}} \newline  * (Fremdkapitalkostensatz *  (1 - Ertragssteuersatz)

Ist der durchschnittliche Kapitalkostensatz aus dem WACC-Ansatz berechnet, kann hierüber der Unternehmenswert bestimmt werden. Dazu muss nur noch der Free Cash Flow durch den Kapitalkostensatz dividiert werden. Im Anschluss wird das Fremdkapital abgezogen und der Unternehmenswert ist ermittelt.

Beispiel: Diskontierungssatz berechnen

Die Ruby GmbH möchte Ihren Diskontierungssatz mit der WACC-Methode berechnen, damit sie ihren Unternehmenswert bestimmen kann. Dazu wurden folgende Werte ermittelt:

  • Eigenkapital: 120 Millionen
  • Fremdkapital: 40 Millionen
  • Gesamtkapital: 160 Millionen
  • Eigenkapitalkostensatz aus CAPM-Formel: 6,31 %
  • Fremdkapitalkostensatz: 2,5 %
  • Ertragssteuer: 30 %

WACC = {\frac{Eigenkapital}{Gesamtkapital}} * Eigenkapitalkostensatz + {\frac{Fremdkapital}{Gesamtkapital}}\newline * Fremdkapitalkostensatz *  (1 - Ertragssteuersatz)

WACC = {\frac{120.000}{160.000}} * 0,0631 + {\frac{40.000}{160.000}} * 0,025 *  (1 - 0,3)

WACC = 0,75 * 0,0631 + 0,25 * 0,025 * 0,7

WACC = 0,047325 + 0,004375

WACC = 5,17%

Die Ruby GmbH muss demnach jährlich 5,17 % an seine Eigen- und Fremdkapitalgeber ausschütten, um den Ansprüchen derer gerecht zu werden. 

Im Anschluss wird der Unternehmenswert bestimmt. Hierzu kann die Beispieltabelle der prognostizierten Cash Flows der Ruby GmbH verwendet und mit dem nun errechneten Diskontierungssatz korrigiert werden. Es ergibt sich die folgende Formel:


DCF = {\frac{644.000}{(1+0,0517)}} + {\frac{778.000}{(1+0,0517)^2}} + {\frac{-229.000}{(1+0.0517)^3}} + {\frac{312.000}{(1+0.0517)^4}} + {\frac{875.000}{(1+0.0517)^5}}

DCF = 612.341 + 703.389 - 196.861 + 255.027 + 680.062

DCF = 2.023.958 EUR

Die zukünftigen Geldströme der kommenden fünf Jahre der Ruby GmbH haben heute einen Wert von 2.023.958 EUR. Hiervon müsste noch das Fremdkapital abgezogen werden, was jedoch nur Sinn macht, wenn auch die ewige Rente errechnet würde. Im Beispiel ist ein Zeitraum von fünf Jahren gegeben, wodurch die ewige Rente und somit auch das Fremdkapital nicht betrachtet werden sollen.

APV-Ansatz

Der APV-Ansatz dient der Unternehmensbewertung und kann dann genutzt werden, wenn das Fremdkapital direkt in die Formel einfließen soll. Die Berechnung ist in zwei Schritte unterteilt. Zunächst wird der zukünftige Cashflow diskontiert. Hier wird mit dem bereits bekannten Eigenkapitalkostensatz aus der Formel CAPM gerechnet. In einem zweiten Schritt muss der Barwert vom Steuervorteil bestimmt werden, der die Fremdkapitalfinanzierung mit sich bringt.

Dieser Wert wird als Tax Shield bezeichnet und erhöht sich mit steigendem Fremdkapital. Der Text Shield ist positiv, da er beschreibt, wie viel Geld bei der Aufnahme von Fremdkapital eingespart wird. Dies liegt daran, dass Fremdkapital im Normalfall für ein Unternehmen günstiger ist als Eigenkapital.

Für die Herleitung der Formel werden verschiedene Werte benötigt, die jedoch durch das Kapitel “WACC-Ansatz” bekannt sind und daher nicht mehr neu definiert werden müssen. Folgende Basiswerte werden benötigt:

  • Cash Flow der kommenden Jahre
  • Eigenkapitalkostensatz
  • Fremdkapitalkostensatz
  • Ertragssteuersatz
  • Höhe und Zeitpunkt vom Fremdkapital

Der erste Teil der Formel beschäftigt sich mit der Diskontierung der Geldströme, wofür eine einfache Berechnung des Discounted Cash Flow benötigt wird. Die bereits bekannte Formel lautet:


DCF = {\frac{CF1}{(1+r)}} + {\frac{CF2}{(1+r)^2}} + {\frac{CF3}{(1+r)^3}} + ......... + {\frac{CFn}{(1+r)^n}}

Zu diesem Wert wird das Tax Shield hinzuaddiert. Wie erwähnt gibt dieses die Ersparnisse durch die Aufnahme von Fremdkapital an. Es müssen somit alle Jahre diskontiert werden, in denen sich konstantes Fremdkapital im Unternehmen befindet. Die Formel lautet:


Tax\thinspace Shield = {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)}} + {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^2}}\newline + {\frac{FK *FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^3}} + ......... + {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^n}} 

Beispiel: Unternehmenswert nach APV-Ansatz

Die Ruby GmbH will ihren Unternehmenswert nach dem APV-Ansatz bestimmen. Alle bereits bekannten Werte finden Anwendung. So auch die Liste der prognostizierten Cashflows. Aus diesem Grund kann der erste Teil der Formel aus dem Abschnitt “Beispiel: Discounted Cash Flow der Ruby GmbH” übernommen werden. Der Betrag hierfür lautete 2.063.451 EUR. Im zweiten Schritt wird das Tax Shield ermittelt. Die Ruby GmbH nimmt im dritten Jahr einen Kredit über 1 Million Euro auf. Zusammen mit den bereits bekannten weiteren Einflussgrößen ergibt sich folgende Formel, die bewusst im dritten Jahr beginnt, was am Exponenten erkannt werden kann.


Tax\thinspace Shield = {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)}} + {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^2}}\newline + {\frac{FK *FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^3}} + ......... + {\frac{FK*FK\thinspace Zins*Steuersatz}{(1+FK\thinspace Zins)^n}} 

Tax\thinspace Shield = {\frac{1.000.000*0,025*0,3}{(1+0,025)^3}} + {\frac{1.000.000*0,025*0,3}{(1+0,025)^4}} + {\frac{1.000.000 *0,025*0,3}{(1+0,025)^5}} 

Tax\thinspace Shield = 20.386 EUR

Zuletzt wird der Discounted Cash Flow mit dem Tax Shield addiert und es ergibt sich ein intrinsischer Unternehmenswert von 2.083.837 EUR nach der Methode APV. Hiervon müsste noch das Fremdkapital abgezogen werden, was jedoch nur Sinn macht, wenn auch die ewige Rente errechnet würde. Im Beispiel ist ein Zeitraum von fünf Jahren gegeben, wodurch die ewige Rente und somit auch das Fremdkapital nicht betrachtet werden sollen.

TCF-Ansatz

Der Total Cash Flow-Ansatz ist nahezu identisch mit der WACC-Methode, weshalb an dieser Stelle keine detaillierte Betrachtung vorgenommen werden soll. Für den TCF-Ansatz kann festgehalten werden, dass die positiven Effekte des Fremdkapitals nicht erst in der Formel berücksichtig werden, sondern bereits bei der Prognostizierung des Cash Flows. Dieser ist schon bereinigt, weshalb bei der TCF-Methode auf eine abschließende Korrektur über den Fremdkapitalzins verzichtet werden.

Die Equity-Methode

Die Equity-Methode bei der Errechnung des Unternehmenswertes wird auch als Nettomethode bezeichnet. Dies liegt daran, dass der Cash Flow to Equity als Grundlage dient. Dieser sogenannte CFE spiegelt die Sicht der Eigenkapitalgeber wider. Die zukünftigen Cash Flows werden so prognostiziert, dass die zukünftige Fremdkapitalquote für die gesamte Zukunft marktorientiert vorhergesagt wird. Abgezinst wird der zukünftige CFE mit dem Eigenkapitalkostensatz eines verschuldeten Unternehmens. Nach Addition aller abgezinsten CFE bildet das Ergebnis den Unternehmenswert ab.

Anwendungsbereiche des Discounted Cash Flow

Nachdem die verschiedenen Berechnungsmethoden der Unternehmenswerte anhand des Discounted Cash Flow verständlich gemacht wurden, soll im nächsten Schritt darauf geschaut werden, wie der Wert in der freien Wirtschaft verwendet werden kann. Hauptsächlich geschieht dies im Bereich Mergers & Acquisitions, also bei Fusionen, Übernahmen oder Käufen von Unternehmen. Hier wird der intrinsische Unternehmenswert benötigt, damit ein Unternehmen in einen real ermittelten Wert umgewandelt werden kann.

Selbstverständlich bieten die Rechenschritte Risiken, wie im Kapitel “Nachteile des Discounted Cash Flow” beschrieben wird, doch führen die Berechnungen den Investor sehr nah an den tatsächlichen Unternehmenswert heran. Ist der Wert bestimmt, können die Unternehmen Verhandlungen führen oder mit Kaufangeboten an die bisherigen Aktionäre herantreten. Der Discounted Cash Flow hat den großen Vorteil, dass er auch die Zukunft eines Unternehmens betrachtet, woraus sich selbst für den Verkäufer eine faire Bewertung ergibt.

Die intrinsischen Unternehmenswerte können jedoch auch von Aktionären genutzt werden. Hierzu errechnet der Anleger über den Discounted Cash Flow den realen Unternehmenswert. Diesen teilt er durch die Anzahl der handelbaren Aktien und erhält einen fairen Aktienkurs. Liegt dieser Kurs unter dem realen Aktienkurs an der Börse, so sollte er keine Investition eingehen.

Liegt der Wert jedoch über dem Börsenkurs, so ist davon auszugehen, dass die Aktien unterbewertet sind und sich auf Dauer dem fairen Aktienkurs anpassen. Eine Investition ist somit ratsam. Auf diesem Weg können die Renditechancen von Aktien sehr gut verglichen werden. Ein Investor findet so die Aktien mit den besten Zukunftschancen anhand stichhaltiger Rechnungen heraus.

Beispiel: Aktienvergleich mit Unternehmenswerten

Ein Aktionär möchte 5.000 EUR in Aktien eines Unternehmens investieren. Hierzu vergleicht er drei Unternehmen und errechnet über den Discounted Cash Flow die intrinsischen Unternehmenswerte. Folgende Zahlen für die Werte der Unternehmen hat die Berechnung ergeben. Jeweils für den Zeitraum der nächsten fünf Jahre.

  • Zip AG: 5.564.342 EUR
  • Alecho AG: 44.256.000 EUR
  • Ramin Fulder AG: 894.000 EUR

Über das Stammkapital und den Nennwert der Aktien findet der Aktionär die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien heraus:

  • Zip AG: 227.573
  • Alecho AG: 1.675.200
  • Ramin Fulder AG: 170.000

Der Unternehmenswert pro Aktie beträgt nach Division:

  • Zip AG: 24,45 EUR
  • Alecho AG: 26,42 EUR
  • Ramin Fulder AG: 5,29 EUR

Der aktuelle Börsenkurs der Unternehmen lautet:

  • Zip AG: 36,07 EUR
  • Alecho AG: 22,87 EUR
  • Ramin Fulder AG: 5,02 EUR

Im letzten Schritt muss nun die prozentuale Abweichung errechnet werden, damit sich die beste Renditechance für den jeweiligen Aktienkurs ergibt.

  • Zip AG: + 32,21 % (Überbewertet)
  • Alecho AG: – 15,52 % (Unterbewertet)
  • Ramin Fulder AG: – 5,38 % (Unterbewertet)

Der Aktionär sollte seine 5.000 EUR in Aktien des Unternehmens Alecho AG investieren. Hier steht der Kurs 15,52 % unter dem fairen Unternehmenswert und bietet somit die beste Renditemöglichkeit.

Nachteile des Discounted Cash Flow

Abschließend seien an dieser Stelle die Nachteile des Discounted Cash Flow aufgeführt. Zwar ist das Verfahren anerkannt und eines der besten, wenn es um die Bestimmung von fairen Unternehmenswerten geht. Doch hat jede Berechnung ihre Tücken. Beim Discounted Cash Flow wird der Nachteil sehr schnell offensichtlich, da mit Prognosen gearbeitet wird. Ein Blick in die Zukunft ist nur schwer umzusetzen und selbst mit den besten Prognosemodellen nicht mit einer Sicherheit versehen. Insbesondere die Betrachtung der ewigen Verrentung ist schwierig, obwohl diese einen großen Teil der Unternehmensbewertung ausmacht.

Eine kleine Veränderung am Prozentsatz vom ewigen Wachstum der Unternehmung hat deutliche Auswirkungen auf die Bewertung. Aus diesem Grund wurde sich in den zurückliegenden Beispielen und Formeln auf einen kleinen Zeitraum beschränkt. Dieser kann am ehesten die realistischen Daten für eine Unternehmensbewertung widerspiegeln, auch wenn dann der Unternehmenswert nicht für eine unendliche Tätigkeit errechnet wird.

Zudem unterliegen die Formeln für den Diskontierungssatz und der erwarteten Rendite Annahmen, die sich der realen Zukunft nur annähern können. Aussagen zur zukünftigen Marktrendite oder zu Fremdkapitalkosten in einigen Jahren sind ebenfalls Schätzungen. Diese werden zwar anhand von realen Daten getätigt, aber auch hier ist eine Sicherheit der korrekten Angabe nicht gegeben.

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