Was versteht man unter Helikoptergeld? – Definition & Erklärung

Unter “Helikoptergeld” versteht man einen hohen Geldbetrag, der von der Zentralbank zusätzlich gedruckt und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt wird, ohne dass diese dafür in irgendeine Art Gegenleistung treten müsste. Der Hintergrund dieser Geldpolitik ist in der Regel der Wunsch, die Wirtschaft in einer rezessiven Phasen durch eine Erhöhung der Kaufkraft zu vitalisieren. Erreicht werden soll das dadurch, dass mehr Geld im Umlauf ist, das den Konsumenten zur Verfügung steht. Diese sollen durch vermehrten Konsum nun die Unternehmen stärken, die somit mehr Arbeitsplätze und mittelbar auch mehr Steuereinnahmen generieren können. Zudem soll durch die Ausschüttung des Helikoptergeldes einer Deflation entgegengewirkt werden. Der Begriff stammt daher, dass das Geld gleichsam über die Konsumenten abgeworfen wird wie Hilfsgüter aus einem Helikopter.

Helikoptergeld vitalisiert die Kaufkraft.

Wie funktioniert das Helikoptergeld?

Das Helikoptergeld wird nicht irgendwelchen Töpfen oder Haushalten entnommen und erhöht im Gegensatz zum Modell der sogenannten quantitativen Lockerung auch keine Kennzahl in der Bilanz der Zentralbank. Es ist Geld, das durch Geldschöpfung zusätzlich in den Geldkreislauf eingespeist wird und nicht als Schulden verbucht und zurückgezahlt werden muss. Der Theorie zufolge soll das gesamte Geld zeitnah ausgegeben werden, sodass nicht nur jeder einzelne Empfänger, sondern auch die Realwirtschaft insgesamt von dieser Ausschüttung profitiert. Da die Menge des Geldes, das sich im Umlauf befindet, mit den Preisen korreliert, führt die Erhöhung der Geldmenge automatisch zu einer Steigerung der Inflationsrate, was ein gewünschter Effekt ist in Zeiten der Rezession und Deflation.

Wer bekommt das Helikoptergeld?

Es gibt einige Modelle in der Theorie, die vorsehen, dass der Staat erster Nutznießer dieses Geldes ist. Zum Beispiel könnte eine Zentralbank wie die Europäische Zentralbank (EZB) Helikoptergeld an einen Mitgliedsstaat überweisen, der diese finanzielle Zuwendung dazu nutzt, große Projekte zu finanzieren. Auch auf diesem Wege würde viel frisches Geld in Umlauf kommen. Die meisten Modelle sehen aber vor, dass das Geld auf direkterem Wege den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommt. Das kann geschehen durch eine Überweisung an jeden Kontoinhaber oder durch eine Senkung der Steuern oder der Krankenkassenbeiträge.

Beispiele für das Helikoptergeld

Um das Jahr 2015 herum befand sich Japan in einer Phase jahrelanger Deflation. Andere Mechanismen, die Japans Notenbank eingesetzt hatte, um der Situation Herr zu werden, verpufften. So gelang es nicht einmal durch die Festsetzung des Zinssatzes in den negativen Bereich (-0,1%), die Konjunktur spürbar anzukurbeln. Deshalb entschloss sich die japanische Regierung im Jahre 2020 dazu, der Wirtschaft mit Helikoptergeld unter die Arme zu greifen. 100.000 Yen (das entspricht etwa 750 Euro) wurden jedem Einwohner überwiesen, der einen festen Wohnsitz vorweisen konnte.

Im gleichen Jahr billigte der Senat in den USA zur Kompensation der durch Corona entstandenen Einbußen ein Helikopterpaket, das Schecks in Höhe von 1200 US-Dollar für alle volljährigen Bürger beinhaltete.

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Vorteile des Helikoptergeldes

Die Vorteile liegen darin begründet, dass es mit dieser Methode nicht nötig ist, neue Kredite aufzunehmen, um die Realwirtschaft anzukurbeln. Auch der Zinssatz muss nicht weiter abgesenkt werden, sondern kann auf dem aktuellen Niveau verbleiben.

Die Kaufkraft der Konsumenten und das Wachstum der Wirtschaft werden auf diesem Wege nachhaltiger erhöht als bei partiellen Lockerungen, da die Nachfrage nach allen möglichen Produkten und Dienstleistungen in den verschiedensten Branchen von heute auf morgen angehoben werden kann.

Nachteile des Helikoptergeldes

In der Regel versucht die Zentralbank, das jeweilige Wachstumsziel zu erfüllen, indem der geltende Zinssatz dementsprechend angepasst wird. Die Ausgabe des Helikoptergeldes ist allerdings nicht mit der Erhebung von Zinsen verbunden, da die ausgegebene Summe nicht an eine Art Darlehen gekoppelt ist. Das kann die Inflation in unerwünschte Höhen treiben.

Durch die nicht durch einen Gegenwert gedeckte zusätzliche Geldschöpfung kann der Wert der Währung absinken. Das Geld ist weniger wert, was sich auch negativ auf den Devisenmarkt auswirkt. Anleger werden davon ausgehen, dass die Währung in Zukunft weniger gut performt und sich mit Investitionen zurückhalten.

Fazit

Die Ausschüttung von Helikoptergeld ist unter Fachleuten umstritten, da den Vorteilen auch unbestreitbare Nachteile gegenübergestellt werden können. Manchmal kann allerdings eine Situation entstehen, in der alle anderen denkbaren Optionen zur Belebung der Konjunktur schon eingesetzt sind, ohne dass das Wirtschaftswachstum entscheidend gestärkt worden wäre. Wenn schon viele Anleihe Käufe getätigt wurden und der Leitzins mehrfach abgesenkt wurde, ohne dass man die Deflation in den Griff bekommen hätte, kann das Helikoptergeld eine Ultima Ratio sein, um die Wirtschaft doch noch zu beleben.

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