Der Basiszinssatz – Definition, Berechnung & Erklärung

Sicher sind Sie auch schon über den Begriff des Basiszinssatzes gestolpert. Meist hat man davon eine vage Vorstellung, kann aber nicht genau erklären, was damit gemeint ist. In diesem Artikel schauen wir uns daher den Basiszinssatz gemeinsam genauer an und stellen ihn auch mit praktischen Beispielen vor. Gerade für Verbraucher und Unternehmer kann dieser Wert wichtig werden. Am Ende des Textes wird auch der Leitzins als wichtiges, geldpolitisches Instrument beschrieben, da dieser vor allem für Anleger am Aktienmarkt eine wichtige Rolle spielt.

Die Geldmengensteuerung erfolgt über die EZB.
Die Geldmengensteuerung erfolgt über die EZB.

Definition – Was ist der Basiszinssatz?

Der Basiszinssatz ist ein variabler Zinssatz, den die Deutsche Bundesbank nach Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB) festlegt. Er wird zweimal jährlich neu bestimmt und gibt die Höchstgrenze an, die Unternehmen bei der Festlegung von Verzugszinsen einhalten müssen. In Verbindung mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch und weiteren Vorschriften können anfallende Zinsen bei einem Zahlungsverzug also genau berechnet werden. Aus der Addition des Basiszinssatzes und entsprechend anfallenden Verzugszinsen (je nachdem, ob der Kunde eine Privatperson oder eine Gewerbetreibender ist ) ergibt sich eine Obergrenze für die Festlegung der Verzugszinsen.

Der Basiszinssatz wurde am 01. September 2001 festgelegt, damals auf Grundlage des sogenannten Diskontsatz – Überleitungsgesetzes. Seither wird er halbjährlich berechnet. Bevor der Euro eingeführt und Europa zu einer Währungsunion wurde, legte die Deutsche Bundesbank einen sogenannten Diskontsatz fest, der bis zur Währungsreform als amtliche Bezugsgröße für die Festlegung von Verzugszinsen galt. Mit der Einführung des Euros als Zahlungsmittel in Europa ist die Zuständigkeit für die Geldpolitik von der Deutschen Bundesbank auf die Europäische Zentralbank übergegangen. Das Überleitungsgesetz sollte damals sicherstellen, dass gesetzliche Vorschriften und Regelungen bezüglich des Basiszinssatzes weiterhin ihre Gültigkeit behalten.

Wie wird der Basiszinssatz festgelegt?

Der Basiszinssatz wird seit 2002 zweimal jährlich – nämlich am ersten Januar und am ersten Juli – von der Deutschen Bundesbank berechnet. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch muss die Bundesbank den Basiszinssatz unverzüglich nach den Stichtagen im Bundesanzeiger bekannt machen. Der Bundesanzeiger ist ein öffentliches Organ, über das amtliche Bekanntmachungen kommuniziert werden können. Bei der Festlegung maßgeblich sind vor allem die Vorgaben der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese führt sogenannte Hauptrefinanzierungsoperationen durch. Dabei handelt es sich um Transaktionen zwischen der Zentralbank und den Geschäftsbanken. Diese finden wöchentlich statt und führen den Geschäftsbanken Liquidität zu. Diese Transaktionen werden mit einem gewissen Zinssatz ausgeführt, der als Bezugsgröße für den Basiszins dient.

Die Praxis – Wozu benötige ich den Basiszinssatz?

Der Basiszinssatz als einziger, amtlicher Marktzins wird insbesondere für die Berechnung von Verzugszinsen herangezogen. Diese sind im § 288 BGB festgelegt. Kann ein Schuldner eine offene Forderung nicht fristgerecht begleichen, kann der Gläubiger für diesen Zeitraum Verzugszinsen erheben. Diese dürfen aber nicht einfach willkürlich festgelegt werden. Der Basiszins dient hier als Bezugsgröße, auf dessen Grundlage der Verzugszinssatz berechnet wird. Meist wird zum Basiszinssatz noch ein vertraglich oder gesetzlich definierter Spielraum addiert. Die Berechnung erfolgt also nach folgender Formel:

Verzugszinssatz = Basiszinssatz + gesetzliche oder vereinbarte Spanne

Somit ist der Basiszins auch in Gerichtsurteilen eine wichtige Messgröße, um Klagen wegen Zahlungsverzug einordnen zu können. Der Basiszins hat sich seit seiner Einführung im Jahr 2000 stetig verändert. Zwischen 4,26 % in der Spitze im September 2000 bis zum heutigen, negativen Wert von – 0,88 %.

Gesetzliche Grundlagen – Wie hoch sind die Verzugszinsen?

Zunächst möchte ich definieren, was genau Verzugszinsen sind. Verzugszinsen können dann erhoben werden, wenn ein Kunde eine Forderung nicht rechtzeitig begleicht. Verzugszinsen sind keine Pflicht für einen Gläubiger. Er kann sie festlegen, wenn er das möchte. Dabei muss er sich aber in einem bestimmten Rahmen bewegen. Innerhalb dieses Rahmens kann ein Gläubiger also auch niedrigere Verzugszinsen ansetzen oder gar keine, wenn der Schuldner beispielsweise ein langjähriger Kunde ist. Um eine gute Kundenbeziehung nicht zu gefährden, kann es also Sinn machen, den Zahlungsverzug zu “schlucken” und die Liquidität des Schuldners abzuwarten. Höhere Verzugszinsen dürfen aber in keinem Fall angesetzt werden.

Die genaue Formel zur Berechnung der Verzugszinsen finden Sie im nächsten Abschnitt. Zunächst müssen Sie aber wissen, welche gesetzlichen Regelungen für die Verzugszinsen gelten. Der § 288 des Bürgerlichen Gesetzbuches unterscheidet zwischen zwei Bemessungsgrundlagen. Die wichtigste Komponente dabei ist, ob der Kunde Privatperson (Verbraucher) oder Unternehmer ist. Der § 288 Abs. 1 und 2 besagt folgendes im Wortlaut:

  • (1) Eine Geldschuld ist während des Verzugs zu verzinsen. Der Verzugszinssatz beträgt für das Jahr fünf Prozentpunkte über dem Basiszinssatz.
  • (2) Bei Rechtsgeschäften, an denen ein Verbraucher nicht beteiligt ist, beträgt der Zinssatz für Entgeltforderungen neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz.

Daraus ergibt sich also folgende Unterscheidung, die in der Praxis immens wichtig ist:

  • Privatperson: Kann eine Privatperson eine festgelegte Zahlungsfrist nicht einhalten, kann der Gläubiger Verzugszinsen in Höhe von maximal 5% über dem Basiszinssatz verlangen. Geht man nun von einem aktuellen Basiszins von -0,88 % aus, ergibt sich ein entsprechender Verzugszinssatz von 4,12 % (-0,88 % + 5 %).
  • Gewerbetreibende oder Unternehmer: Bei Firmen und Gewerbetreibenden liegt der maximale Verzugszinssatz höher als bei Privatpersonen. Hier können 9 % über dem Basiszins geltend gemacht werden. Aktuell müsste ein Unternehmer also mit 8,12 % Verzugszinsen (-0,88 % + 9 %) rechnen, wenn er eine Forderung nicht fristgerecht begleichen kann.

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Zahlen und Fakten – Wie berechne ich die Verzugszinsen mit dem Basiszinssatz?

Der Zahlungsverzug beginnt, sobald die Zahlungsfrist oder ein individuell festgelegter Zeitraum abgelaufen ist. Der Betrag der Verzugszinsen wird dabei meist auf Tage umgerechnet. Für die Festlegung der Zinsen sind folgende Dinge wichtig:

  • Die Höhe der Forderung
  • Der Basiszins
  • Der Verzugszins
  • Zeitraum der Säumnis in Tagen

Die Formel lautet nun wie folgt:

Offener Forderungsbetrag x (Basiszins + Verzugszins) x Säumnistage / (365×100)

Beispiel: Ein Betrag von 500 Euro ist seit 21 Tagen offen. Wir gehen hier von einer Privatperson aus. Der Verzugszins ist dann also 5 %. Der Basiszinssatz für das Jahr 2021 beträgt – 0,88 %. Die Rechnung sieht nun folgendermaßen aus:

500 x (- 0,88 % + 5 %) x 21 / (365 x 100) = 1,18 Euro

Die Gesamtforderung des Gläubigers würde sich also auf 501,18 Euro belaufen. Mit jedem weiteren Tag des Verzugs würden 0,056 Euro zusätzliche Verzugszinsen anfallen. Zinseszinsen auf Verzugszinsen sind nicht zulässig, teilweise können aber noch weitere Mahngebühren zum Rechnungsbetrag hinzukommen.

Entsprechend würde die Rechnung bei einem Geschäftskunden so aussehen:

500 x (- 0,88 % + 9 %) x 21 / (365×100) = 2,33 Euro

Hier würde sich die Rechnung also auf 502,33 Euro erhöhen. Täglich würden 0,11 Euro dazukommen.

Die Berechnung von Verzugszinsen anhand dieser Formel ist einfach und leicht nachzuvollziehen. Trotzdem gibt es für einen Unternehmer sicher schönere Dinge, als unbezahlten Forderungen hinterher zu jagen. Für Verbraucher kann diese Formel wichtig sein, wenn anfallende Verzugszinsen als zu hoch erscheinen. Im Internet finden sich auch zahlreiche Rechner, um die Verzugszinsen automatisch berechnen zu lassen.

Die Geldmarktpolitik der Zentralbanken – Der Leitzins

Die Höhe des Basiszinses wird wie oben erwähnt halbjährlich angepasst. Er orientiert sich aber am sogenannten Leitzins und liegt immer ungefähr 0,88 Prozentpunkte unter diesem Wert. Steigt der Bezugswert also an, erhöht sich auch der Basiszins und umgekehrt. Der Leitzins dürfte vielen Anlegern etwas geläufiger sein als der Basiszins, gehört er doch zu den wichtigsten, geldpolitischen Instrumenten der Zentralbanken. Der Leitzins hat nicht nur einen direkten Einfluss auf unser Privatleben, sondern auch auf unsere Anlagen am Aktienmarkt. Aber was ist damit genau gemeint?

Mit dem Leitzins wird vor allem die Geldmenge und damit die wirtschaftliche Entwicklung in einem Währungsraum gesteuert. Erhöht die EZB den Leitzins, wird es für Geschäftsbanken teurer, sich dort Geld zu leihen. Diese Mehrkosten geben sie natürlich auch an die privaten Kreditnehmer weiter. Somit wird es unattraktiv, einen Kredit aufzunehmen und es kommt tendenziell weniger Liquidität in den Wirtschaftskreislauf. Damit wird gleichzeitig die eigene Währung aufgewertet. Sinkt der Leitzins, passiert genau das Gegenteil. Niedrigere Zinsen kurbeln dafür aber wiederum die eigene Konjunktur an, da es für Unternehmen nun wieder günstiger ist, mit Fremdmitteln zu investieren.

Firmen werden aber auch noch auf andere Weise von den Steuerungsmaßnahmen der EZB beeinflusst. Steigende Zinsen können vor allem für hoch verschuldete Unternehmen zum Problem werden und die Gewinne deutlich schmälern. Auch Wachstumsunternehmen, die noch nicht profitabel sind und noch viel Geld in ihr Geschäftsmodell investieren müssen, haben mit steigenden Zinsen zu kämpfen.

Für Sparer, die auf Giro- und Tagesgeldkonten setzen, bedeutet ein niedriger Leitzins eine kaum vorhandene Verzinsung ihrer Anlage. Hier sollte man sich also mit anderen Assets wie Fonds oder Aktien beschäftigen, um sein Geld gewinnbringender anlegen zu können.

Fazit – gut zu wissen

Der Basiszins kann vor allem für Verbraucher wichtig werden, wenn sie in Zahlungsnot geraten. Hier lohnt es sich, die Verzugszinsen nachzurechnen, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Natürlich ist es immer die bessere Variante, Rechnungen direkt zu bezahlen und sich innerhalb seiner finanziellen Möglichkeiten zu bewegen. Sollten Sie aber dennoch einmal in die Bredouille kommen, haben Sie nun Ansatzpunkte, auf die Sie achten können.

Anhand des Textes finden Sie auch die entsprechenden Rechtsvorschriften schnell und ohne Probleme. Meist kann ein genauer Blick in das Bürgerliche Gesetzbuch schon Abhilfe schaffen. Sind Sie als Anleger am Aktienmarkt aktiv, ist es ratsam, sich mit der Geldpolitik der Zentralbanken und dem Leitzins näher zu beschäftigen, da hier doch sehr unmittelbare Zusammenhänge bestehen. Es ist ungemein spannend, die Auswirkungen der Geldmarktpolitik der jeweiligen Zentralbanken anhand der Performance bestimmter Aktien mitverfolgen zu können. Je nachdem sollte dann natürlich auch die eigene Anlagestrategie entsprechend angepasst werden.

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