Open Interest

Open Interest: Erklärung und Beispiele anhand Optionen

Beim Open Interest handelt es sich um die Anzahl aller ausstehenden Terminkontrakte für einen Basiswert. Dies umfasst beispielsweise Optionen und Futures. Die bereits geschlossenen Positionen werden abgezogen. Mithilfe dieser Kennzahl können die Marktteilnehmer sehen, wie hoch das Handelsvolumen für Optionen für einen bestimmten Basiswert ist. Dies lässt Rückschlüsse zu, ob sich die Markteilnehmer gerade zurückziehen oder Positionen aufbauen. Darüber hinaus lassen sich mit dem Open Interest jedoch kaum zukünftige Preisentwicklungen ableiten. 

Was ist die Open Interest? 

Open Interest bedeutet auf Deutsch das offene Interesse. Alle offenen Optionskontrakte zählen zum Open Interest. Doch was genau meinen die offenen Kontrakte? 

Für jeden Optionskontrakt sind ein Verkäufer und ein Käufer des Selbigen notwendig. Der Verkäufer bietet die Option am Markt an, während der Käufer den Vertrag annimmt. Dabei ist der Optionskontrakt für den Zeitraum offen, indem der Käufer seine Option nicht ausübt und die Option schließt. Offene Optionskontrakte bezeichnen somit immer diejenigen Optionen, bei denen der Käufer noch von seinem Recht Gebrauch machen kann. 

Sofern Käufer und Verkäufer eine neue Position erzeugen, erhöht sich der Open Interest um eins. Sofern diese einen Optionskontrakt schließen, reduziert sich der Open Interest um eins. Wenn lediglich eine Partei handelt, bleibt die Börsen-Kennzahl unverändert. Der Open Interest verändert sich dann nicht. 

Hinweis:

Zugleich spielt es für diese Kennzahl keine Rolle, um welche Art von Optionen es sich handelt. Call- und Put-Optionen zählen gleichermaßen zum Open Interest. 

Optionen-Beispiel aus der Praxis: 

Ein neuer Handelstag steht an. Der Optionshändler X verkauft 100 Optionskontrakte auf die Aktie von Apple. Der Verkäufer befindet sich in der Short-Position, während die Käufer bei dieser Position long gehen. Sobald die Position eröffnet wird, steigt der Open Interest um 100. Im Laufe des Handelstages kauft der Optionshändler X 40 Optionskontrakte, während die Käufer 40 Optionen verkaufen. Folglich sind nur noch 60 Positionen offen. Der Open Interest reduziert sich im Laufe des Tages von 100 auf 60. 

Falls die Inhaber der Long-Positionen nur 30 Optionskontrakte verkaufen wollen, würde sich der Open Interest lediglich um 30 auf 70 verringern. Es spielt keine Rolle, dass der Optionshändler 40 Optionen kaufen will. Es sind schließlich immer beide Seiten notwendig, damit ein Optionskontrakt geschlossen wird. 

Warum ist die Open Interest wichtig? 

Die Anzahl der offenen Optionskontrakte gibt Aufschluss über die Aktivität der Marktteilnehmer. Bei einem hohen Wert sind viele Optionen auf einen Basiswert offen. Das Interesse der Marktteilnehmer ist hoch. Folglich lässt sich die Kennzahl gezielt nutzen, um große Trends mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vorherzusagen. Diese ermöglicht eine grobe Einschätzung, ob sich die Markteilnehmer tendenziell zurückziehen oder sukzessive größere Positionen für einen Basiswert aufbauen. 

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Was ist der Unterschied zwischen Open Interest und dem Handelsvolumen? 

Oftmals liest man, dass Open Interest und Handelsvolumen das Gleiche meinen. Einige Definitionen bezeichnen den Open Interest als Synonym für das Handelsvolumen. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen beiden Kennzahlen. Das Handelsvolumen umfasst alle Transaktionen, die in einem bestimmten Zeitraum (oftmals einem Handelstag) getätigt wurden. Das Open Interest beschränkt sich jedoch auf die Anzahl der offenen Kontrakte für einen Basiswert. Das Handelsvolumen kann folglich steigen, ohne dass sich das offene Interesse der Marktteilnehmer verändert. 

Beispiel aus der Praxis: 

Der Optionshändler X ist noch im Besitz seiner 60 Apple-Optionen. Am nächsten Handelstag bietet er 30 dieser Optionen zum Verkauf an, um seine Position zur Hälfte glatt zustellen. Die Anzahl der ausstehenden Optionskontrakte ändert sich damit zunächst nicht, da lediglich bereits bestehende Kontrakte übereignet werden. Allerdings steigt das Handelsvolumen durch den Verkauf der 30 Optionen an. Das Handelsvolumen kann somit steigen, ohne dass sich die Kennzahl des offenen Interesses verändert. 

Wie unterscheidet sich Open Interest bei Aktien und Derivaten? 

Das offene Interesse am Aktienmarkt ist keine aussagekräftige Kennzahl. Vielmehr betrifft diese Kennzahl ausschließlich Derivate. Normalerweise ändert sich die Anzahl der Kontrakte an jedem Handelstag des Derivatemarkts. Folglich schwankt auch die Anzahl der offenen Optionskontrakte. Demgegenüber bleibt die Summe der Aktien an der Börse normalerweise gleich. Lediglich bei einer Kapitelerhöhung des Unternehmens oder einem IPO werden neue Aktien ausgegeben. 

Kurzfristig verändert sich die Anzahl der Aktien kaum, während langfristig Kapitalverwässerungen oder Rückkauf-Programme der Unternehmen die Aktienanzahl in beide Richtungen beeinflussen können. Für Optionskontrakte ist es demgegenüber typisch, dass der Markt für Derivate ständig in Bewegung ist. 

Wie interpretiere ich Open Interest richtig? 

Marktteilnehmer nutzen die Kennzahl bevorzugt, um die Aktivität im gesamten Markt zu beurteilen. Bei einem niedrigen Wert gibt es aktuell kaum offene Optionen auf einen Basiswert. Bei einem hohen Wert sind viele Optionskontrakte weiterhin offen. Daraus ergibt sich ein hohes Interesse der Marktteilnehmer an dem Basiswert. 

Fiktives Beispiel aus der Praxis: 

Der Open Interest für den Basiswert Apple liegt bei 2000. Dem gegenüber ist der Wert der Kennzahl für die deutsche Baumarktkette Hornbach mit 10 deutlich geringer. Es lässt sich somit ableiten, dass die Marktteilnehmer mehr an Apple als an Hornbach interessiert sind. Dies ist beileibe keine Überraschung. Zugleich kann eine Entwicklung des Werts Aufschluss über ein wandelndes Interesse geben. Wenn der Wert für Apple Anfang 2020 bei 2000 lag und ein Jahr später nur noch bei 100 liegt, ist das Interesse deutlich geringer. 

Zugleich kann die Kennzahl offenbaren, ob Geld in den Markt für Derivate strömt oder die Marktteilnehmer Kapital abziehen. Dies ermöglicht erneut eine Betrachtung des Open Interests im Zeitverlauf. Sofern die Werte von Tag zu Tag steigen, fließt Kapital in den Markt für Derivate. Wenn die Werte jedoch kontinuierlich sinken, ziehen die Marktteilnehmer Geld aus dem Markt ab.

Wofür ist die Kennzahl nicht geeignet? 

Die Kennzahl vermag nicht darüber Aufschluss zu geben, wie sich der Preis in Zukunft entwickelt. Preisprognosen sind mit dem Open Interest nicht möglich. Schließlich umfasst diese Kennzahl alle offenen Optionskontrakte, unabhängig davon, ob es sich um Call- oder Put-Optionen handelt. Ein vergleichsweise hoher Wert deutet somit lediglich auf ein hohes Interesse am Basiswert hin. Allerdings bedeutet dies nicht zugleich, dass die Marktteilnehmer mit ihrer Einschätzung richtig liegen. Zugleich können die Positionen auch unprofitabel sein. 

Was ist ein Beispiel für Open Interest? 

Das theoretische Konstrukt des Open Interests, dessen Bedeutung und Interpretation wurden dargestellt. Im Folgenden gibt es eine mögliche Entwicklung aus der Praxis, um die Berechnung noch besser zu verstehen. 

  • Am 1. Tag kauft Optionshändler A 15 Kontrakte, während B 15 Kontrakte verkauft. Die Berechnung ist einfach. Die Kennzahl hat den Wert 15. 
  • Am 2. Tag verkauft A 5 seiner Kontrakte, während B 5 Kontrakte kauft. Das offene Interesse beläuft sich nur noch auf 10. 
  • Am 3. Tag verkauft A 5 Kontrakte an den Optionshändler C. Der Wert bleibt identisch, da keine zusätzlichen Optionen eröffnet oder geschlossen werden.
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