Eine Maßnahme, große Wirkung: Erklärung des Multiplikatoreffekts

Der Internationale Währungsfonds (IWF) musste im Januar 2013 zugeben, die fiskalischen Multiplikationsfaktoren in hohem Maße unterschätzt zu haben. Das erregte eine große Aufmerksamkeit in der Presse. Folgendes war gemeint: Der IWF hatte unterschätzt, welche Auswirkungen die Sparpolitik auf das Wachstum der einzelnen Länder, insbesondere in Europa, haben würde. Ist der Multiplikationsfaktor hoch, dann senken Sparmaßnahmen keine Staatsverschuldungen, da sich die wirtschaftlichen Tätigkeiten verlangsamen. Dies führt zwangsläufig zu einem Rückgang der staatlichen Einnahmen. Das Ergebnis lautet Rezession und weiterhin Haushaltsdefizite. Wirtschaftsökonomen sahen sich in den darauffolgenden Jahren in ihrer Theorie bestätigt. Bei deutlichen Veränderungen von Einnahmen oder Ausgaben sind also Multiplikatoreffekte zu beachten.

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Multiplikatoreffekt einfach erklärt

Der Multiplikatoreffekt ist ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre. Es ist der Faktor, mit dem die Auswirkungen zusätzlicher Ausgaben des Staates, der privaten Haushalte sowie der Anstieg der Investitionen der Unternehmen auf das Volkseinkommen gemessen wird. Grundsätzlich kann immer von einem Multiplikationseffekt ausgegangen werden. So entstehen durch den Anstieg der Unternehmensinvestitionen auch neue Arbeitsplätze und damit neues Einkommen für die privaten Haushalte. Wenn diese wiederum einen Teil ihres zusätzlichen Einkommens ausgeben, schafft dies weiteres Einkommen.

Die Steigerung des Einkommens ist somit um ein Vielfaches größer als der zunächst investierte Geldbetrag. Wenn nach diesem Prinzip eine Investition von 4 Milliarden Euro zu einem neu generierten Einkommen von 12 Milliarden Euro führt, beträgt der Investitionsmultiplikator 3. Der Multiplikatoreffekt ist umso größer, je mehr vom Einkommen für Konsum ausgegeben und je weniger davon gespart wird.

Der gleiche Multiplikatoreffekt gilt für den Anstieg der Konsumausgaben der privaten Haushalte, den Anstieg der Exporte (Exportmultiplikator) und den Anstieg der öffentlichen Ausgaben (Staatsausgabenmultiplikator). Dieses Multiplikatorprinzip ist vor allem für die Beschreibung der wirtschaftlichen Entwicklung von Bedeutung. Ebenso ist es für das Wachstum der Wirtschaft und für die Entscheidung über den Einsatz wirtschaftspolitischer Mittel des Staates wichtig.

John Maynard Keynes erkannte die Zusammenhänge bereits im letzten Jahrhundert:

Als einer der einflussreichsten Ökonomen seiner Zeit, erkannte Keynes die Zusammenhänge zwischen höheren Staatsausgaben und der Produktion. Das Phänomen: sie steigt überproportional. Da er dies als Erster erkannte, wird oft vom keynesianischen Multiplikator gesprochen. Entsprechend bedeutet es ebenso, dass die Produktion eines Landes, auch BIP genannt, bei Kürzungen der Haushaltsausgaben überproportional sinken wird.

Unterschiedliche Multiplikatoren für zutreffende Ergebnisse

Der Multiplikatoreffekt wird mit spezifischen Multiplikatoren mathematisch versucht zu errechnen. Damit bestimmen Wirtschaftsfachleute die Wirkung der Änderung einer spezifischen autonomen Größe, also einer Maßnahme, in der Volkswirtschaft auf das Sozialprodukt.

Je nach der untersuchten Größe gibt es unterschiedliche Multiplikatoren:

1. Investitionsmultiplikator

Der Multiplikator drückt aus, dass die Wirkung von höheren privaten Investitionen umso höher ist, je niedriger die Sparquote ist. Der Wert sinkt darüber hinaus, wenn neben dem privaten Sparen weitere Abgänge dazukommen. Dies sind etwa Steuerzahlungen oder Sozialabgaben.

2. Exportmultiplikator

Dieser Multiplikator zeigt, dass die Auswirkungen von höheren Exporten umso höher sind, je geringer die private Sparquote sowie die Importquote sind.

3. Importmultiplikator

Bei einer Steigerung der Importe, einer Bevorzugung von im Ausland hergestellten Konsumgütern, nimmt das inländische Einkommen analog dem Importmultiplikator ein Vielfaches der eigentlichen Importsteigerung ab.

4. Staatsausgabenmultiplikator

Der Multiplikator drückt eine ähnliche Wirkung aus, wie die Zunahme der privaten Investitionen. In der Regel wirken die staatlichen Ausgaben allerdings zeitlich versetzt.

5. Transfermultiplikator

Hiermit ist die Wirkung von staatlichen Transferzahlungen (beispielsweise Renten und Arbeitslosengeld) auf das Sozialprodukt gemeint. Sie ist wie bei den privaten Investitionen umso höher, je weniger von diesen Leistungen gespart wird.

6. Steuermultiplikator

Die Erhöhung von Steuern wirkt entgegengesetzt zu den Transferzahlungen. Dies gilt allerdings nur für den Fall, dass die höheren Beträge nicht gleichzeitig vom Staat wieder ausgegeben werden.

7. Multiplikator des ausgeglichenen Budgets

Das Haavelmo-Theorem geht davon aus, dass bei vollständigem Ausgleich der Staatsausgaben durch Steuereinnahmen (ausgeglichener Staatshaushalt), ein Multiplikatoreffekt entsteht. Dies stützt sich darauf, dass es bei Staatsausgaben keinen Sparanteil gibt, wie bei privatem Einkommen. Der Begriff geht auf den norwegischen Wirtschaftswissenschaftler Trygve Haavelmo zurück.

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Beispiele von Multiplikatoreffekten

Mit der Messgröße Multiplikator ist gemeint, wie eine Handlung sich auf eine andere Größe auswirkt. Dabei muss zwischen unabhängigen und abhängigen Variablen unterschieden werden. Ein Beispiel für eine unabhängige Variable ist die Höhe der Staatsausgaben. Die abhängige Variable drückt das daraus resultierende Ergebnis aus. Sinn der Untersuchung des Multiplikatoreffekts ist, welchen Nutzen eine zusätzliche Investition hat. Eine Investition gilt demnach als lohnenswert, wenn der Faktor größer als ein ist.

Beispiel: Staatliches Infrastrukturprogramm

Der Staat stellt in diesem beispielhaften Programm ein Volumen in Höhe von einer Milliarde Euro zur Verfügung. Die Mittel werden für die Bereiche Straßen, Brücken und öffentliche Gebäude bereitgestellt. Die direkt Begünstigten sind somit Bauunternehmen sowie Handwerksbetriebe. Für die Ausführung der Arbeiten stellen die Betriebe Mitarbeiter ein. Die Umsätze und Gewinne der Unternehmen werden gesteigert und eventuell steigen die Löhne. Die ausführenden Betriebe kaufen bei ihren Lieferanten die benötigten Baumaterialien und steigern dadurch beispielsweise die Gewinne der Betonhersteller oder Holzlieferanten. Gleichzeitig führen die ausgezahlten Löhne zur Erhöhung des privaten Konsums.

Ein Multiplikator von drei besagt in diesem Beispiel, dass durch die Erhöhung der staatlichen Ausgaben um eine Milliarde Euro das Volkseinkommen um drei Milliarden Euro steigt. Zu beachten ist, dass Multiplikatoren ebenso negative Effekte auslösen können. Dies ist etwa bei Haushaltskürzungen oder sonstigen Sparprogrammen der Fall. Im Beispiel ist der Faktor darüber hinaus zusätzlich abhängig von der aktuellen Konsumbereitschaft der Verbraucher.

Beispiel: Steuersenkungen

Dass durch Steuersenkungen der private Konsum angekurbelt werden kann, ist leicht nachvollziehbar. Dabei ist die Höhe des Multiplikators unter anderem stark von der aktuellen Konsumneigung abhängig. Selbst Fachleute streiten sich immer wieder über den Multiplikator, um die Effizienz von Steuersenkungen zu prognostizieren. Wenn auch über den Faktor gestritten wird, einen Effekt wird die Senkung der Abgabenlast immer bewirken.

Wenn durch eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer insbesondere hochpreisige Produkte wie Wohnungseinrichtungen mehr verkauft werden, steigt der Umsatz im Möbelhandel. Dieser löst eine erhöhte Nachfrage bei den Möbelherstellern aus, die wiederum mehr produzieren und höhere Gewinne einfahren. Die Vorlieferanten, beispielsweise Holzlieferanten, profitieren in gleicher Weise. Möglicherweise müssen dann in allen beteiligten Betrieben Mitarbeiter eingestellt werden, wodurch mehr Einkommen zur Auszahlung gelangt. Am Ende schließt sich der Kreis und es wird nochmals höherer Konsum ausgelöst.

Beispiel: Erhöhung der Sparquote

Der Multiplikatoreffekt kann auch ins Negative gehen. Wenn Haushalte beispielsweise aufgrund einer schlechten gesamtwirtschaftlichen Lage oder schwacher politischer Stimmung ihre Sparquote erhöhen, produzieren die Unternehmen die entgangene Nachfrage nicht mehr. Jetzt setzt der Multiplikatoreffekt ein. Die allgemeine Beschäftigung und damit das Einkommen werden weiter sinken. Dies hat wiederum einen negativen Einfluss auf den Gesamtverbrauch. Der sinkt stärker, als es der anfängliche Anstieg der Sparquote vermuten lässt – die Quote multipliziert sich.

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