Bank Run: Die Bank wird gestürmt – Definition & Beispiele

Was wie der Titel eines Krimis mit Bankraub klingt, ist der umgangssprachliche englische Begriff für einen Ansturm der Kunden auf die Bankschalter. Von einem Bank Run wird gesprochen, wenn Anleger massenweise innerhalb kürzester Zeit ihre Ersparnisse abheben wollen. Da eine Bank nur einen Teil der Einlagen ihrer Kunden liquide vorhält, kann dies im Extremfall zur Insolvenz des Instituts führen.

In Krisenzeiten heben plötzlich viele Kunden Bargeld ab. Aber wie kommt es zu einem solchen Verhalten?
In Krisenzeiten heben plötzlich viele Kunden Bargeld ab. Aber wie kommt es zu einem solchen Verhalten?

Gründe, die einen Bank Run auslösen können

Grundsätzlich entsteht ein Bank Run bei hohen Verunsicherungen. Das Ergebnis: eine kollektive Angst um das eigene Geld. Dies liegt bei unserem Wirtschaftssystem zum größten Teil bei den Banken.

Die Gründe für eine breite Verunsicherung sind vor allem:

  • Die Bank befindet sich in einer Krise: Eine Verunsicherung tritt bereits auf, wenn Gerüchte über eine Krise im Umlauf kommen. Der Anleger sieht sein Risiko steigen, je länger er seine Einlagen bei der Bank belässt.
  • Der menschliche “Herdentrieb” oder “Gruppenzwang”: Die Nachricht über eine aktuelle Massenabhebung von Einlagen kann einen Ansturm auslösen. Viele vertrauen darauf, dass es einen Grund dafür geben muss, ohne diesen selbst zu kennen.
  • Die Hyperinflation als Angsttreiber: Die extreme Inflation schürt das Bewusstsein, dass sich Verbraucher morgen bereits weniger für ihr Geld kaufen können.

Der Mechanismus und die Auswirkungen eines Bank Runs

Banken sind nur begrenzt in der Lage, die bei ihnen angelegten Einlagen kurzfristig auszuzahlen. Das Finanzmanagement kalkuliert, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungswerten, über welchen Teil ihre Kunden regelmäßig verfügen möchten. Damit ein Institut gewinnorientiert arbeiten kann, wird der Rest des Kapitals, abzüglich eines Sicherheitsabschlags, investiert.

In dem Zusammenhang spielt der Begriff “Fristentransformation” eine bedeutende Rolle. Dies ist die Technik, kurz- und mittelfristige Gelder anzunehmen und diese in größeren Trancen gewinnorientiert anzulegen. Die Banken legen dazu Gelder über verschiedene Laufzeiten an, um somit kontinuierlich über Liquidität zu verfügen.

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Vereinfacht an einem Beispiel dargestellt:

Ein Privatanleger legt 100.000 Euro in Abschnitten zu jeweils 10.000 Euro in Festgelder an. Er wählt zehn verschiedene Laufzeiten, um jedes Jahr über einen Betrag von 10.000 Euro (zuzüglich Zinsen) verfügen zu können. Sollte wider Erwarten der gesamte Betrag bereits im 5. Jahr benötigt werden, steht dieser Betrag nicht bereit.

Die Fristentransformation führt dazu, dass bei einem Massenansturm auf die Einlagen Liquiditätsengpässe entstehen, die im ungünstigsten Fall zur Insolvenz der Bank führen können. Das Problem hat sich in den letzten Jahren verstärkt, da Banken mit dem Vorhalten liquider Mittel keinen Gewinn mehr machen. Bedingt durch die anhaltende Niedrigzinsphase ist das Gegenteil der Fall: Banken müssen für Geld, dass sie kurzfristig bei der EZB parken, Strafzinsen bezahlen.

Beispiele aus der Vergangenheit

Die Bilder von Warteschlangen vor den Geldautomaten in Athen und anderen griechischen Städten sind vielen noch präsent.

Besonders in Wirtschaftskrisen besteht die Gefahr des Bank Runs, wie die Geschichte zeigt. Dazu zählen:

  • Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 nach dem New Yorker Börsencrash
  • Finanzkrise ab 2007
  • Argentinienkrise 1998-2002

In Deutschland erregte der Bank Run auf die Kölner Herstatt-Bank im Jahr 1974 große Aufmerksamkeit und sensibilisierte die gesamte Bankenlandschaft. Als Konsequenz daraus entstand die Einlagensicherung der deutschen Banken, der die meisten Institute inzwischen angeschlossen sind.

Zu den großen Ereignissen im EU-Raum zählt der Ansturm auf die britische Bank Northern Rock. Die Bank geriet durch eine einseitige Refinanzierungsstrategie in Liquiditätsengpässe.

Weitgehende Folgen und Maßnahmen zur Verhinderung

Die überdurchschnittliche Abhebung von Bargeld führt bei einer Bank zu einer Reduzierung des Zentralbankgeldes (Bargeld ist Zentralbankgeld). Überweisungen von einer Bank zur anderen belasten das Bankensystem weniger. Geht der Bank das Zentralbankgeld aus, können Kunden kein Bargeld mehr abheben. Die dramatische Folge: Selbst Banken mit hohen Gewinnen können zahlungsunfähig werden und stehen somit vor dem Ende.

Vertrauensschutz kann vor dem Bank Run schützen

Bei der Pleite der Herstatt-Bank hatte die Branche ein großes Interesse daran, das Vertrauen in die Banken zu stärken. Daraus entstand die Einlagensicherung der deutschen Banken. Kunden von Instituten, die dem Sicherungsfonds angeschlossen sind, erhalten darüber innerhalb der Bedingungen im Falle einer Insolvenz ihr Geld garantiert zurück.

Ebenso hat die Finanzkrise dazu geführt, dass die Politik bemüht war, den Bankenplatz Deutschland zu stärken. 2007 sprach daher die Regierung eine Einlagengarantie aus, um Sparer zu beruhigen. Inzwischen gelten im gesamten EU-Raum einheitliche Einlagensicherungen, die eine Rückzahlung von Sparguthaben bis zu einem Gesamtbetrag von 100.000 Euro garantieren. Sicherungsgeber sind die jeweiligen Länder.

Ein weiteres Instrument ist die Anerkennung von mehr Wertpapieren seitens der Zentralbank. Mehr bei der Zentralbank hinterlegte Sicherheiten bedeutet, dass sich Banken im Bedarfsfall mehr Geld leihen können.

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