Bailout von Unternehmen Definition und Erklärung

Die Pandemie hat gravierende wirtschaftliche Folgen und der Staat hat daraufhin vielfältige Maßnahmen ergriffen. In Zusammenarbeit mit Banken wurde den Unternehmen Liquidität in Milliardenhöhe bereitgestellt und das Kurzarbeitergeld wurde ausgebaut. Dennoch werden in der Politik sowie direkt von Unternehmen Rufe nach weiteren Rettungsschirmen laut. Für Rettungsaktionen hat sich international der Begriff “Bailout” oder “Bail-out” durchgesetzt. Dieser geht auf den Freikauf durch Kaution (englisch bail) von Gefangenen in den USA zurück.

Rettungsschirme für Banken: Wie funktioniert das?
Rettungsschirme für Banken: Wie funktioniert das?

Der Bailout einfach erklärt

Mit Bailout werden finanzielle Maßnahmen bezeichnet, die eine Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung oder Insolvenz verhindern sollen. Die Mittel werden von Dritten bereitgestellt, insbesondere vom Staat.

Es wird zwischen drei Arten eines Bailouts unterschieden:

  • Privatwirtschaftliches Bailout: Ein Unternehmen wird von einem anderen Unternehmen oder vom Staat vor der drohenden Insolvenz bewahrt.
  • Subnationales Bailout: Eine staatliche Institution (beispielsweise Stadt, Kreis oder Land) wird von anderen staatlichen Stellen unterstützt, um die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.
  • Internationales Bailout: Ein Staat wird durch internationale Organisationen (etwa IWF oder EU) oder durch einen anderen Staat vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt.

In diesem Beitrag wird ausschließlich das Bailout von Unternehmen behandelt.

Maßnahmen beim Bailout

Die verschiedenen Instrumente der Rettungsmaßnahmen konzentrieren sich auf die Verbindlichkeiten des in Schieflage geratenen Unternehmens.

Klassische Maßnahmen, abgestuft in der Reihenfolge der Priorität, sind:

  • Prolongation der Schulden: Die Fälligkeiten der Verbindlichkeiten werden zeitlich verzögert.
  • Stundung: Die Fälligkeitstermine werden auch für die Tilgung hinausgeschoben.
  • Umschuldung: Das Ziel dieser Maßnahme ist die Reduzierung der laufenden Aufwendungen. Dazu werden Tilgungen, Laufzeiten und Zinsen verändert.
  • Konsolidierung der Schulden: Hierbei sollen ebenso die laufenden Aufwendungen reduziert werden. Dazu werden kurzfristige in langfristige Laufzeiten verändert und Zinsen gesenkt.
  • Übernahme von Haftungen: Ein Dritter haftet teilweise oder ganz für die Schulden des Unternehmens. Dies erfolgt durch Bürgschaften oder Garantien.
  • Teilweise Schuldübernahme: Ein Dritter übernimmt teilweise als alleiniger Schuldner oder als Mitschuldner die Schulden.
  • Vollständiger Schuldenerlass: Die Gläubiger verzichten vollumfänglich auf die Rückzahlung der Schulden.

Beispiele von Bailouts deutscher Unternehmen

Immer wieder im Fokus stehen beim Bailout die Maßnahmen des Staates. Schließlich bedeutet dies ein Eingriff in die Marktwirtschaft. Nachfolgend konzentrieren sich daher die Informationen auf diesen Bereich.

Einige Beispiele aus der Vergangenheit:

  • 2002 Baukonzern Philipp Holzmann: Der Bund versuchte damals, dem größten deutschen Bauunternehmen mit einem Darlehen sowie einer Bürgschaft über 250 Millionen DM aus der Krise zu helfen. Nach rund zweieinhalb Jahren musste Holzmann Insolvenz anmelden und es folgte das endgültige Aus.
  • 2020 Lufthansa: Der deutsche Staat stellt ein Paket aus Garantien und direkten Beteiligungen über insgesamt neun Milliarden Euro bereit.
  • 2021 Galeria Karstadt Kaufhof: Der angeschlagene Konzern erhält staatliche Unterstützung mit einem Darlehen über 460 Millionen Euro.

Vollversicherung für die Wirtschaft? Die Diskussionen über den Sinn von Bailouts

Nach staatlichen Rettungsmaßnahmen wird immer wieder gerufen. Dennoch sind diese nicht unumstritten, insbesondere aus volkswirtschaftlicher Sicht. Der Staat versucht dem gerecht zu werden und greift in der Regel nur bei der Gefahr eines Domino-Effekts oder bei sogenannten systemrelevanten Unternehmen ein.

Vorteile des Bailout

Da es sich um große Unternehmen handelt, spielt der Erhalt von Arbeitsplätzen eine außerordentliche Rolle. Nachfolgend werden weitere Auswirkungen an den Beispielen Lufthansa und Galeria Kaufhof dargestellt.

Bei der Lufthansa sind über 100.000 Mitarbeiter beschäftigt. Würde die Airline vom Markt verschwinden, wird ein großer Teil der Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlieren. Zwar ist anzunehmen, dass Fachkräfte bei anderen Fluggesellschaften gesucht werden, jedoch nicht in dieser Größenordnung. Die Konsequenz wäre die Notwendigkeit hoher staatlicher Transferleistungen, vor allem in Form von Arbeitslosengeld. Darüber hinaus ist eine hohe Anzahl weiterer Unternehmen direkt oder indirekt von der Lufthansa abhängig.

Die Lufthansa ist einer der weltweit größten Flugkonzerne. Das ist somit relevant für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland. Daher begründete die Bundesregierung die gewährten Hilfen mit der Systemrelevanz. Am Ende bedeutet der Bailout in diesem Fall: Ein entscheidender Wirtschaftsfaktor bleibt in deutscher Hand und viele Subunternehmen werden möglicherweise gleichzeitig vor dem drohenden Konkurs bewahrt. Ein Wiederaufbau derartiger Strukturen dürfte mittelfristig kaum realistisch sein. Somit kann ein Bailout vor langfristig massiveren Schäden in der Gesamtwirtschaft bewahren.

Bei Galeria Kaufhof sind es nicht nur die Beschäftigten, für die zunächst die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Etliche Kommunen fürchten die Auswirkungen plötzlich leer stehender Warenhäuser. Bis solche Immobilien einer alternativen Nutzung zugeführt werden können, bedarf es langfristiger Planungen und der Gewinnung von Investoren. Bis dahin verliert der umliegende Handel einen Anziehungspunkt. Nicht zuletzt sorgen sich die Kommunen um eine Verödung der Innenstädte. Dem Management wird mit einem Bailout die Möglichkeit gegeben, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und das Unternehmen neu am Markt zu positionieren. In diesem Fall kann ein Bailout somit vor nachhaltig negativen Auswirkungen in den Innenstädten schützen.

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Kritik am Bailout

Grundsätzlich scheiden Unternehmen, die insolvent werden, in einer Marktwirtschaft aus. Wenn dies im Einzelfall nicht geschieht, weil ihnen von dritter Seite geholfen wird, widerspricht das den Gesetzen des Marktes. In Deutschland gehört die sogenannte soziale Marktwirtschaft zu den wesentlichen Errungenschaften. Sie basiert unter anderem darauf, dass der Staat nur dann eingreift, wenn damit negative Effekte in der Gesamtwirtschaft verhindert werden können.

Kritisch ist die Tatsache zu sehen, dass durch staatliche Hilfen beim Bailout Vermögen transferiert wird. Bei einem Bailout finanzieren Steuerzahler die Gläubiger des in Schieflage geratenen Unternehmens. Die Eigentümer, bei Aktiengesellschaften die Aktionäre, profitieren davon. Gleichzeitig stehen ihnen in guten Zeiten die Gewinne ausschließlich allein zu. Dies widerspricht dem unternehmerischen Gedanken, der für sein Risiko entlohnt wird. Mit einer staatlichen “Versicherung” wird diese Entlohnung für das eingegangene Risiko ausgehebelt.

Je mehr sich Unternehmen auf Bailouts verlassen können, umso geringer ist der Anreiz, sich finanziell auf Krisenzeiten vorzubereiten. Der Effekt wird sich mit jeder Krise verstärken. Schließlich erkennen immer mehr Firmen, dass sie mit einer rettenden Hilfe rechnen können. Das bedeutet: Mit einem Bailout werden alle Unternehmen bestraft, die innovativ und nachhaltig wirtschaften sowie finanzielle Rücklagen ansammeln.

Nicht zuletzt merken Kritiker an, dass der Staat im Zweifel der schlechtere Unternehmer ist. Am Beispiel des Bauunternehmens Philipp Holzmann hat sich gezeigt, dass nicht immer die Verhinderung einer “Marktbereinigung” die beste Lösung ist. Marktchancen zu erkennen und das Kapital in die richtigen Marktteilnehmer zu investieren sind Themen, die erfahrungsgemäß besser in der Privatwirtschaft aufgehoben sind.

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