Moving Average Trend Strategien Cross Over und Trendfortsetzung/ Trendkumkehr Strategien

Nachdem ich Dir die Grundlagen eines Moving Averages erklärt habe, wird es Zeit für die wichtigsten Handelsstrategien. Ich erläutere Dir die Vor- und Nachteile der jeweiligen Strategien, zeige Ansätze, die gut funktionieren, und behandele Konzepte, die nur in der Theorie etwas taugen.

Grundsätzliches zu den MA-Strategien: 
Es gibt unendlich viele verschiedene zusätzliche Varianten der Strategien, die ich Dir vorstelle. Viel wichtiger sind aber die wesentlichen Konzepte hinter den Strategien. Wenn Dir das jeweilige Konzept dahinter bewusst wird, kannst Du darauf Deine eigenen Varianten aufsetzen und für Deinen persönlichen Tradingstil anpassen. Dann kannst Du auch besser beurteilen, welche Ansätze für Dein Trading geeignet sind.

Also: alles klar? Es geht ums Konzept. Jeder Trader ist anders und hat seinen persönlichen Stil. Das Konzept ist die Grundlage und Du entscheidest, wie Du damit umgehst. Ich beschreibe alle Strategien einfachheitshalber auf Tagesbasis. Sie funktionieren aber auch bei längeren oder kürzeren Zeiteinheiten.

Und wichtig ist: Die vorgestellten Strategien beschränken sich auf Strategien, die einen Bezug zu einem Moving Average haben. 

Moving Average Crossover 

Wenn sich zwei Movings kreuzen, wird ein potenzieller Aufwärts- bzw. Abwärtstrend eingeläutet. Hierbei nutzt man einen MA, der eine längere Zeitperiode berücksichtigt und einen MA mit einer kürzeren Zeitperiode. Beispielsweise einen 30MA kombiniert mit einem 10MA.

Beispiel:

Da der 30MA die letzten 30 Tage berechnet, reagiert dieser MA recht langsam auf neue Bewegungen des Kurses. Wenn der Kurs also eine neue Richtung einschlägt, reagiert er recht „träge“. Ein „schnellerer“ MA, also ein MA, der eine kürzere Zeitperiode berechnet, reagiert auf Kursänderungen schneller. Im Bild siehst Du eine Kombination von einem 30 MA mit einem 10 MA. Wenn der Kurs z.B. nach einem Abwärtstrend in einen Aufwärtstrend übergeht, schneiden sich die Moving Averages. Viele werten das als ein Kaufsignal. Zu Unrecht!

Und dennoch findet man diese Strategie immer wieder in unzähligen Varianten und Einstellungen in der Literatur. Und sie wird regelmäßig von „sogenannten Experten“ propagiert. Häufig nimmt man für den langsamen MA einen einfachen MA (SMA) und für den schnelleren MA einen Exponential Moving Average (EMA) oder aber auch einen dritten MA oder zusätzliche Indikatoren als Bestätigung.

Um es kurz zu machen: Egal welche Kombinationen Du nimmst, egal welche Einstellungen Du nimmst, dieses Konzept funktioniert nicht. Rückwirkend findest Du immer Kombinationen, die temporär funktioniert hätten, aber eben nur kurzfristig und immer nur rückwirkend. Wie gesagt, ich habe über 1.170 Milliarden Kombinationen getestet. 
Bei all diesen Kombinationen hast Du ca. 1.000, die rückwirkendend Gewinne erzielt hätten. Aber keine davon erzielte in der Rückschau Gewinne über 24 Monate. 

Zumindest nicht, wenn das System eine relevante Anzahl von Signalen geliefert hat. Nur ca. 100 Kombinationen erzielten Gewinne über 12 Monate. Wenn man dann aber die Kombinationen filtert, die ein adäquates Gewinn-/Risikoverhältnis zeigten, blieben immer nur ungefähr 30 Kombinationen übrig. 30 Top Kombinationen sind ja eigentlich mehr als genug.  
Aber das waren Ergebnisse aus der Vergangenheit. Hättest Du dann diese 30 Strategien umgesetzt, Du hättest mit allen Systemen Verluste erzielt. Nur wenige Systeme liefen über weitere 3 Monate gut. Kein System hat weitere 6 Monate Gewinne erzielt. 

Über Jahre habe ich sogar jeden Monat alle Kombinationen neu durchrechnen lassen. Immer mit denselben Ergebnissen: Nur wenige Systeme haben in der Vergangenheit Gewinn erzielt. Und die Kombinationen, die Gewinne erzielt haben, hörten in der „Zukunft“ auf, erfolgreich zu sein. Ich habe diese Tests über 12 Jahre immer und immer wieder wiederholt – mit allen erdenklichen Varianten – und ausgewertet. Praktisch von einem Tag zum anderen haben alle Systeme verloren.

Merke!

Das Konzept des Moving Average Crossover funktioniert nicht.

Aber wieso werden Gleitende Durchschnitts Crossover Strategien immer und immer wieder gepredigt?

Weil es einfach ist, schöne Beispiele aus der Vergangenheit rauszupicken. In der Vergangenheit funktioniert es wunderbar, wenn die Trends schön ausgeprägt waren. Dann funktionieren aber auch Trennlinien wunderbar. Da funktioniert jeder Trendindikator. Bei diesen perfekten Beispielen macht auch jeder Trader Geld (im Nachhinein). Aber wir wollen jetzt Geld verdienen, und zwar in der Realität. Deshalb zeige ich Dir, dass vermeintlich vielversprechende Strategien jetzt und in der Zukunft nicht funktionieren.

In der Realität zeigen die Märkte eben nicht solch wunderbares eindeutiges Trendverhalten auf. Viele Seitwärtsbewegungen, Korrekturen und Fehlausbrüche sind an der Tagesordnung. In allen diesen Phasen werden regelmäßig Fehlsignale geliefert. Natürlich kann man sagen, wir nutzen nur dann den Moving Average, wenn wir im Trend sind und wir nutzen ihn nicht, wenn wir in einer Seitwärtsbewegung sind.

Leider wissen wir aber nicht, ob ein bestehender Trend nun wechseln wird oder nicht. Ob ein Trend am Anfang oder am Ende steht, oder ob eine Seitwärtsbewegung anhalten wird oder zu einem Trend wechselt. Sonst wären Börsengewinne ja ein Kinderspiel. 
Hinzu kommen noch visuelle Fehler bei rückwirkender Betrachtung der Charts und Fehlprogrammierungen bei rückwirkenden Überprüfungen mit einem Computer (Backtests). 

Lass mich Dir das anhand eines einfachen Beispiels zeigen: 

Im folgenden Bild siehst Du das Kreuzen der Movings und den Anstieg des Kurses. Gutes Kaufsignal, perfekter Trade. Und im späteren Kursverlauf ein Verkaufssignal. Bilderbuch Trade. Also ein perfektes Beispiel, wo die Strategie funktioniert hat. Unten gekauft, oben verkauft. Die Bewegungen der Movings sind aber dynamisch. Bedeutet, dass bei jeder Kursänderung die Movings sich entsprechend bewegen. Innerhalb eines Tages können die Kurse erstmal fallen und dann steigen und umgekehrt. Folglich können die Movings sich kreuzen, aber im selben Handelsverlauf wieder auseinandergehen. Das kann ständig passieren. Kreuzen, wieder auseinandergehen, kreuzen, wieder auseinandergehen, etc.  

Fällt aber im Handelsverlauf der Kurs, gehen die Movings wieder auseinander. Betrachte ich dann den Chart rückwirkend, war da niemals ein Signal. Das endgültige Kreuzen der Movings ist aber tatsächlich erst dann beendet, wenn der Tag auch geschlossen hat. Dein Einstieg war demnach frühestens am nächsten Tag möglich, nachdem die Movings sich endgültig gekreuzt haben und nicht mehr auseinandergehen können. Der Einstieg hätte dann aber real zu höheren Preisen stattgefunden und der Ausstieg zu niedrigeren Preisen. Du kommst also immer später in den Markt, als es rückblickend aussah. Und damit in den meisten Fällen zu viel höheren Preisen.

Das ist der Grund, warum solche hochgelobten Strategien nicht funktionieren können. Unterziehst Du Systeme einem Backtest und beachtest das nicht, nimmt das System immer einen besseren Einstiegspreis als in der Realität. Das System erkennt nämlich nicht die Signale, bei denen es nur kurz zur Überkreuzung kam. Nimmst Du aber in der Berechnung den richtigen Einstiegskurs, sind die Ergebnisse mehr als ernüchternd. Würdest Du sogar innerhalb der aktuellen Kursbewegung die kurzfristigen Überschneidungen korrekt berechnen, hättest Du zig Fehlsignale. Das wäre dann tatsächlich eine unglaubliche Verlustmaschine. Hinzu kommt beim Backtesten, dass bei Fehlsignalen der Verlust geringer ausfällt als in der Realität. Denn der Verlust ist kleiner, hätte der Einstieg früher stattgefunden, als wenn man zu höheren Preisen eingestiegen wäre.

Herrschen dann noch Seitwärtsbewegungen am Markt, kannst Du die Fehlsignale gar nicht mehr zählen, so oft kommst Du in den Markt rein und fliegst mit Verlust wieder raus. Dem wird häufig entgegengesetzt, man solle die MA Einstellungen nicht so kurzfristig vornehmen, damit die MAs nicht so schnell auf Marktbewegungen reagieren. Beispielsweise ein 200 MA kombiniert mit einem 50 MA. Bedeutet aber nichts anderes als ein sehr spätes Einstiegssignal, der Markt ist also schon erheblich gelaufen. Die Signale kommen einfach zu spät.

Zusammenfassung Moving Average Crossover: 

Börsenkurse machen keine Umkehrformationen, weil sich MAs kreuzen. Sondern MAs kreuzen sich, nachdem die Kurse eine Umkehr gemacht haben. Ursache ist also immer die Kursbewegung und erst daraus resultiert, dass sich MAs kreuzen – und zwar immer verspätet. Das Kreuzen der MAs spiegelt auch nicht die aktuelle Marktsituation wider, weil sie immer auch vergangene Kursdaten berechnet. MAs können sich auch nicht kreuzen, wenn es zuvor keine entsprechende Kursbewegung gegeben hat.

Trendfortsetzung- und Trendumkehr-Strategien 

Es ist also wichtig, Trends zu erkennen. Wie das geht, zeige ich Dir jetzt. Achtung: Alle in diesem Artikel gezeigten Kursverläufe und Einstellungen sind vereinfacht skizzierte Beispiele. Sie sollen das Prinzip verdeutlichen. Zur Vereinfachung nehme ich mehrheitlich Beispiele in Aufwärtsphasen. Es gilt aber natürlich auch umgekehrt.Bei einem etablierten Trend stellt sich für den Händler immer die Frage: Wird der Trend weiterlaufen oder stehen wir vor einem Trendwechsel?

Genau das ist der entscheidende Zeitpunkt. Wie genial wäre es, wenn Du als Käufer wüsstest, dass du genau an dieser Stelle einsteigen musst? Oder besser die Finger davon lässt? Stell dir vor, wie dein Vermögen wachsen würde, wenn du hier die richtige Entscheidung triffst.

Indikationen für eine Trendfortsetzung oder Trendumkehr

Der Moving Average zeigt den Durchschnittskurs eines Kursverlaufes an. Also den Kursverlauf in geglätteter Form. Man kann folglich die Ansicht vertreten, dass der Durchschnittskurs einen fairen Preis darstellt. Wenn der Kursverlauf immer über den MA tendiert, aber der Kurs zum Durchschnittskurs zurückkehrt, ist das die Möglichkeit, zu einem fairen Preis zu kaufen.

Der Moving Average wird damit auch zu einer Unterstützungszone. Meine Erfahrung in über 30 Jahren als Händler ist, dass diese „Kursmarken“ tatsächlich auch relevant sind. Vielleicht nicht relevant aus mathematischer Sicht, aber doch so relevant, dass eine große Gruppe von Marktteilnehmern entsprechend am Markt agiert. An solchen „Kursmarken“ wird fast immer gekauft. Das bedeutet zwar nicht, dass der Markt danach neue Hochs erklimmt, aber in der Regel findet eine Reaktion der Käufer statt. Ob diese nachhaltig ausreichen, weiß man vorher nicht.

Das Problem an der Sache: Welche Kursmarken sind relevant? Denn je nach Einstellung des Moving Averages haben wir unterschiedliche Durchschnittskurse. In einer solchen Marktsituation korrigiert der Kurs in mehrere Moving Averages rein. Je nachdem, welche Einstellungen genutzt werden. Aber Vorsicht: hier geht es nicht um Deine Einstellungen, sondern um die Präferenzen aller Marktteilnehmer, die danach handeln. Und die sind vielschichtig. Zu den Einstellungen kommen wir noch. Wichtig ist derzeit für Dich, dass es keine „punktgenauen“ Kursmarken gibt, sondern wir das als gesamten „Bereich“ oder „Zone“ definieren müssen.

In diesem ganzen Bereich hast Du eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Käufer angezogen werden. Einige definieren eine Trendumkehr dann, wenn der Kurs unterhalb des Moving Averages schließt.

Liegt der Schlusskurs – wie in diesem Beispiel – unterhalb des MA, bedeutet das nicht zwangsläufig einen Trendwechsel. Andere Händler sehen in dieser Marktsituation eine Kaufgelegenheit, weil der Kurs z. B. am MA 40 zum Kauf einlädt. Beachte bitte, dass die Einstellungen und Bilder hier nur vereinfachte Beispiele sind. Es geht ums Prinzip. Wo Du vielleicht eine Einleitung zu einem Trendwechsel siehst, kann ein anderer Händler einen günstigen Einstieg erblicken. Läuft ein MA nur sehr kurz, bedeutet ein Schlusskurs unterhalb des MAs zwangsläufig immer auch eine Trendkorrektur. Somit hilft Dir ein Schlusskurs unterhalb eines MAs im Trading also nicht wirklich weiter.

Die Frage ist daher: In welchem Bereich ist der Kurs noch im Trend und wo endet der Bereich? Der Moving Average musste also weiterentwickelt werden, damit eine Trendumkehr bzw. Trendfortsetzung besser zu identifizieren ist. Einige Indikatoren legen „Bänder“ um den Moving Average, um einen Bereich zu definieren, innerhalb dessen Kurse noch im Trendbereich liegen. Zwischen einem oberen und einem unteren Band entsteht eine Art Kanal.

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Zuletzt geupdated am 09/02/2022 von Andre Witzel

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