Moving Average – Counter Strategie mit Gleitenden Durchschnitten

Wie schon gesagt, dem Markt ist völlig egal, wie du tickst. Und was du willst. Der Markt berücksichtigt immer das Ganze und damit alle Teilnehmer. Gerade darin liegt die Herausforderung, aber auch der Reiz bei der Analyse und Bewertung. Daher gilt bei jeder Handelsstrategie und bei jeder Trade-Entscheidung als erste Regel im Trading:

Zuerst das Marktumfeld analysieren! Dann erst die Indikatoren, die für eine Handelsentscheidung sprechen. Mit Indikatoren sind zum Beispiel Chartformationen, Price Action, Volumen Profile etc. gemeint, also die Hilfsmittel, die Du gerne im Trading verwendest. Marktumfeld bedeutet für mich, die grundlegende Tendenz des Marktes richtig einzuschätzen. Dazu gehört auch das fundamentale Umfeld, also die Fundamentalanalyse und der klassische Marktverlauf. Ich möchte Dir einfache, grundlegende Werkzeuge geben, die Deine Tradingentscheidungen wesentlich verbessern. Die Märkte sind aber sehr komplex, und es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wenn wir alle Facetten im Trading und in der Analyse von Kursverläufen hier gemeinsam durchgehen würden.

Handelsverläufe in der Counter Strategie

Deshalb möchte ich Dir gerne eine vereinfachte schematische Herangehensweise vorstellen.

Letztendlich gibt es drei wichtige Handelsverläufe:

  • Aufwärtstrend
  • Abwärtstrend und
  • Seitwärtsbewegungen

Viele Händler betrachten das Marktumfeld aber in dem Zeitintervall, in dem sie auch handeln. Beispiel: Jemand handelt gerne auf 60-min-Basis, dann betrachtet er in der Regel auch nur den Chartverlauf auf einem Stundenchart. Händler, die auf Basis eines Tagescharts handeln, analysieren folglich auch nur die Charts auf Tagesbasis. Daytrader, die noch kurzfristiger handeln, betrachten eventuell nur 5-min-Charts usw.

Meine Empfehlung:

Wähle das jeweils übergeordnete Zeitintervall für die grundlegende Analyse des Marktumfeldes.

  • Für einen Tageschart also den Wochenchart
  • Bei einem 240-min-Zeitintervall den Tageschart
  • Beim 60-min-Chart den 240-min-Chart usw.

Also erst das übergeordnete Zeitintervall überprüfen, ob der Markt sich in einem Aufwärtstrend, Abwärtstrend oder in einer Seitwärtsbewegung befindet. So kannst Du besser feststellen, ob sich der Markt im kleineren Zeitintervall in einer Korrekturphase befindet. Schau Dir dieses Beispiel in einem Tageschart an.

Wenn Du diesen Chartverlauf, und zwar den Bereich, den ich rot eingerahmt habe, auf einem 240-min-Chart betrachtest, sieht der Verlauf aber so aus:

In einem 240-min-Chart erkennst Du einen Abwärtstrend. Dieser Chart zeichnet ein ganz anderes Bild als der Tageschart. Wenn Du nur den 240-min-Chart betrachtest, tendierst Du vielleicht zu einem Verkauf (Short Position). Auf dem Tageschart aber zu einem Kauf (Long Position). Grundsätzlich macht es Sinn, dem Haupttrend (vom Tageschart) zu folgen. Und in unserem Beispiel auf 240-min-Basis nach einer Kaufgelegenheit Ausschau zu halten.

Also einen Kauf in der Korrektur zu tätigen.

Letztendlich solltest Du folgende Fragen beantworten, bevor Du eine Position eingehst:

  • Wie ist der Haupttrend?
  • Und wenn wir einen Trend haben: sind wir dann in einer möglichen Korrekturphase?

Ich weiß, dass diese Vorgehensweise sehr vereinfacht ist. Die Antworten auf die Fragen sind nicht immer eindeutig bestimmbar. Aber Du bekommst damit einen guten Basisansatz, der Dir beim Trading helfen wird. Der übergeordnete Zeitrahmen bestimmt den Haupttrend. Der untergeordnete Zeitrahmen hilft Dir festzustellen, wo wir uns im Haupttrend befinden. Auf dieser beschriebenen Grundlage basiert die Moving-Average-Counter-Strategie. 

Folgende skizzierte Ausgangsbasis:

Der Kurs bricht stark ein. Der letzte Handelstag bildet einen langen Verkaufstag. Mit Moving Averages sieht es häufig dann so oder so ähnlich aus.

Wenn wir diesen Chart betrachten, scheint sich eine Trendumkehr anzubahnen. Movings kreuzen sich, und die Kurse brechen ein. Der letzte Stab weist ein volles Abwärtsmomentum auf. Der Schlusskurs schließt sogar unter den Moving Averages. Das sieht eindeutig nach weiteren tieferen Kursen aus. Unsere Strategie besteht aber darin, gegen diese Abwärtsbewegung zu traden. Also einen Einstieg zu finden, um zu kaufen. Genau das Gegenteil von dem, was gerade passiert. 

Wichtige Voraussetzungen

Der Stab muss lang sein. Wesentlich länger als die Kursstäbe zuvor. Er sticht praktisch hervor. Und der Schlusskurs sollte im unteren Drittel des Stabes sein. Wir kaufen aber nicht blindlings in den Markt rein. Wichtig ist, dass Du den Schlusskurs des aktuellen Zeitintervalls abwartest. Bei einem Tageschart also die Eröffnung am nächsten Tag. Es gibt zwei Varianten für den Einstieg. Trader-Kollegin Linda Bradford Raschke beschreibt ein ähnliches Set-up mit der 80-20-Strategie. Diese hat sie 1995 in ihrem Buch „Street Smarts. High Probability Short Term Trading Strategies“ veröffentlicht.

Das Set-up von Linda Raschke schreibt vor, dass der Eröffnungskurs am nächsten Tag im unteren Bereich der Vortageskerze eröffnet. Und zwar innerhalb von 20 Prozent im unteren Bereich der Vortageskerze. Ich sehe das nicht so streng. Wichtig für mich ist, dass der Kurs im unteren Drittel schließt und am nächsten Tag auch in diesem Bereich eröffnet. Raschkes Set-up beinhaltet, dass der neue Tag neue Tiefs gegenüber dem Vortag macht.

Neues Tief gegenüber dem Vortag. Wenn der Kurs im Handelsverlauf wieder steigen sollte, empfiehlt es sich, in diesem Anstieg eine Long Position einzugehen. Also auf steigende Kurse zu setzen. Der Einstieg findet statt, wenn der Kurs über das Vortagestief steigt.

Der Sicherungsstopp wird knapp unterhalb des aktuellen Tagestiefs gesetzt.

Nach meiner Ansicht ist es aber sinnvoller, die Kaufposition erst dann einzugehen,  wenn wir eine bessere Indikation für den Einstieg haben. Also nicht einfach kaufen, weil der Kurs wieder zurückläuft über das Vortagestief. Lieber die aktuelle Situation auf einem 60-min-Chart betrachten und erst nach einem Durchbruch (Breakout) kaufen.

Sehen wir uns ein paar Marktsituationen im DAX an. Hier sieht Du einen Tageschart vom 22. März 2019 im DAX: Der aktuelle Handelstag schließt mit einer langen Kerze. Richtiger Ausverkauf! Die lange Kerze ist deutlich länger als die Kerzen zuvor. „Minicrash“ – alles spricht für weiter fallende Kurse!

Wir richten uns auf steigende Kurse ein

Nächster Handelstag: Der Markt macht neue Tiefs gegenüber dem Vortag, steigt dann aber wieder an. Wir haben jetzt eine Kaufposition. Der Handelsverlauf der nächsten Handelstage. Über 580 Punkte Anstieg. Das ist zwar jetzt ein Paradebeispiel, aber die Moving-Average-Counter-Strategie verfügt grundsätzlich über Vorteile. Schauen wir uns diese Vorteile gemeinsam an:

Wir wissen, dass Moving Averages letztlich einen ganzen Bereich abdecken. Es geht also nicht nur um unsere bevorzugten MAs, sondern auch um die MAs aller Marktteilnehmer, die Moving Averages nutzen. Und wir wissen, dass einige Marktteilnehmer auch Bänder nutzen.

Kurse außerhalb der STARC-Bänder deuten auf extrem überverkaufte Preise hin. Vor allem aber haben die smarten Verkäufer zu viel höheren Preisen verkauft. Und zwar schon einige Tage zuvor im Kursbereich von 11.800. Die haben gute Gewinne in den Tiefs erzielt. Für weitere neue Tiefs benötigt es neue Verkäufer. Es kommt noch ein unterstützender Faktor hinzu: Viele Händler nutzen Fibonacci Retracements. Der Markt steigt und macht eine Korrektur. Diese Korrektur beträgt häufig 50 Prozent des vorigen Anstieges.

Enge Stopps

Das alles kannst Du ableiten, bevor der Markt später seine Rallye hingelegt hat. Das Beste aber ist, dass Du einen engen Stopp hast.  
Meiner Ansicht nach ist das auch ein Hauptkriterium. 

Dieses Setup erhöht nachhaltig Deine Wahrscheinlichkeiten. Und zwar so nachhaltig, dass die Gewinntrades wesentlich höher ausfallen als die Verlusttrades. Möglich ist auch, dass der Folgetag nach neuen Tiefs nicht wieder anfängt zu steigen, sondern tiefer schließt. Trotzdem solltest Du dem Markt (nach der langen Kerze) weitere drei Tage für einen Anstieg Zeit geben. Ich zeige Dir wieder den DAX-Tageschart, aber paar Wochen zuvor.

Am nächsten Tag schließt der Kurs jedoch tiefer. Kein Einstieg. Aber die Tage darauf erhalten wir ein Einstiegssignal. Gib dem Markt aber maximal drei Tage. Wenn es zu lange dauert, ist es ein Zeichen dafür, dass die Käufer offensichtlich nicht motiviert sind, in einer solchen Marktsituation zu kaufen.

Hier der Handelsverlauf im DAX – Anfang Januar bis Anfang April 2019. Besonders effizient ist der Trade, wenn die lange Kerze auch den 40 Moving Average 
durchbricht oder in seiner Nähe darüber oder darunter schließt.

Gleitende Durchschnitte adjustieren

Eine etwas gewagte Methode, den weiteren Kurs und damit die Zukunft vorherzusagen, ist das Verschieben des Moving Average. Es war wieder Richard Wyckoff, der diese Strategie bereits 1910 vorgestellt hat. Das bedeutet, dass Du den Moving Average von der aktuellen Position nach rechts verschiebst. Dann geht er dem aktuellen Kurs voran. Standard ist eine Verschiebung von 3–5 Zeitintervallen. Ein vorlaufender Indikator soll die zukünftigen Kurse anzeigen. Warum ein Durchschnittskurs aus der Vergangenheit sich in der Zukunft wiederholen soll, leuchtet mir persönlich nicht ein. Der MA mutiert damit eher zu einem Zyklen-Indikator. In ausgedehnten Seitwärtsbewegungen kann das Verschieben eines Moving Averages Anhaltspunkte für den weiteren Handelsverlauf anzeigen.

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Zuletzt geupdated am 09/02/2022 von Andre Witzel

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