Moving Average: die besten Einstellungen für Gleitende Durchschnitte

Du erinnerst dich: Wir haben uns mit drei verschiedenen Varianten des Moving Average beschäftigt:

  • Simple Moving Average (SMA) / einfacher gleitender Durchschnitt
  • Weighted Moving Average (WMA) / gewichteter gleitender Durchschnitt
  • Exponential Moving Average (EMA) / exponentieller gleitender Durchschnitt

Vor den Einstellungen kommt daher die Frage: Nehme ich einen SMA, EMA oder WMA? Ich tendiere zum einfachen Moving Average, also zum SMA. Warum? Ganz einfach: Er wird mehrheitlich bevorzugt. Wenn Du einen Chart analysierst, geht es ja nicht nur um die Frage, wohin der Markt sich zukünftig bewegen könnte. Vielmehr stellt sich die Frage, wie die anderen Marktteilnehmer agieren könnten. Die nächste Frage dreht sich um die Berechnungsgrundlage: Nehme ich nur den Schlusskurs? Oder berechne ich Hochs und Tiefs oder auch den Eröffnungskurs mit ein?

Auch hier empfehle ich Dir die Berechnung des Schlusskurses. Der Grund ist derselbe wie zuvor – die meisten nutzen den Schlusskurs. Zudem sind die Verläufe sehr ähnlich und unterscheiden sich kaum. Denn wichtig für Dich ist, dass Du das bestmögliche Bild bekommst, wie die anderen Marktteilnehmer die Charts sehen. Zumindest die Markteilnehmer, die Moving Averages beim Trading nutzen. 

Häufig verbreitet sind allgemeine Aussagen zu Zeitperioden wie:

  • 05–20 für kurzfristiges Trading
  • 40–50 für mittelfristiges Trading
  • 200 für langfristiges Trading

Du solltest aber anders an die Sache rangehen

Kehren wir wieder zu den historischen Ursprüngen zurück, in das „goldene Zeitalter“ der technischen Analyse (1910–1940). Damals bezog sich die Standardeinstellung immer auf die Anzahl der Handelstage an der Börse. Ein 20 MA, weil dieser einen Handelsmonat wiederspiegelt. Ein 10 MA für zwei Handelswochen und ein 5 MA für eine Handelswoche. Deshalb nutzte und favorisierte man entsprechend gern den 5/10/15/20/40/50 … 100/ 200 MA etc..

Das änderte sich im Laufe der Zeit. Börsenliteratur, Börsenbriefe und Handelsstrategien verkauften sich damals wie geschnitten Brot.Beispielsweise das Trading-Manuskript von Harold M. Gartley „Profits in the stock market“ aus dem Jahr 1935. Dieses Manuskript wurde für 1.500 US-Dollar verkauft. Von diesem Geld konnte man damals drei Autos kaufen. Auch die Börsenbriefe von Richard Wyckoff verschlungen locker ein Monatsgehalt. Kein Wunder also, dass man den Käufern gerne besondere Strategien und Einstellungen offerierte. Die natürlich viel besser sind als ein üblicher 20 MA oder 50 MA.

Also wurde auch mal ein 7er, ein 14er, 28er, 32er etc. empfohlen. Oder es hieß, dass die Fibonacci-Zahlen die richtige Einstellung für einen Moving Average sind: 5, 8, 13, 21, 34, 55 etc. Du kannst Dir vorstellen, dass über die Jahrzehnte immer neue Varianten aufkamen. 
Zum Beispiel Movings, die durch vier teilbar waren, also 8, 12, 16 oder 20. Oder auch Kombinationen, die mit zwei multipliziert wurden. 3 und 6 oder 9 und 18 oder 18 und 36. Gerne auch Kombinationen, die mit drei multipliziert wurden, etwa 6 und 18 oder 18 und 54.

Letztendlich taucht irgendwie jede Zahl auf. Und jeder behauptete, die besten Einstellungen gefunden zu haben. In den Achtzigern war es modern, aus den Standardzahlen 10, 20, 30 etc. eine jeweils kleinere Variante zu nehmen. Also eine 9 statt 10 oder eine 18 statt 20 oder eine 28 statt 30. Da aber der Moving Average nie eine Punktlandung zum Kurs macht, sondern eher einen Bereich wiederspiegelt, macht es letztendlich keinen großen Unterschied, ob Du nun einen 38er oder einen 40er wählst. Ich nutze den 9er, 18er und den 40er MA.

Mit diesen drei MAs deckst Du gut den Bereich ab, in dem viele Marktteilnehmer Ihre Einstellungen setzen. Moving Averages mit einer Einstellung ab 100 sind in vielen Fällen zu weit vom aktuellen Kurs entfernt. Meine Erfahrung ist auch, dass diese MAs mit so langer Zeitperiode auch nicht mehr wirklich als Widerstand oder Unterstützung fungieren. Zumindest statistisch nicht. 100 oder 200 MA sind aber als grundsätzlicher Filter interessant. Also kaufe nur, wenn die Kurse über dem 100 MA liegen oder der 100 MA steigt etc.. Schauen wir uns einen Chart mit den Standardeinstellungen 10 MA, 20 MA und 40 MA an. Nun mit zusätzlich einem 9, 18 und 38 MA. Und jetzt mit weiteren häufig genutzten MA-Einstellungen wie 4, 5, 7, 13, 21, 28, 34, 50, 55 sowie 100 und 200.

Du siehst, wir müssen von Bereichen bzw. Zonen sprechen.   An fast jedem Punkt liegt irgendein MA. 

Hinzu kommt noch, dass die hier eingezeichneten Movings alle einfache Movings sind (SMA). Wenn wir jetzt noch zusätzliche EMAs nehmen und auch noch die entsprechenden Bänder mit unterschiedlichen Einstellungen nehmen, dann…. Ja, dann ist überall ein Moving Average! 
Ich wiederhole mich hier an diesem Punkt: Wichtig im Trading sind nicht nur Deine Indikatoren und Deine Einstellungen.

Entscheidend ist, wie die Mehrheit der anderen Marktteilnehmer das sieht. Salopp formuliert: Auf Deine Einstellungen nimmt der Markt keine Rücksicht! Des Weiteren unterscheiden sich die Märkte in ihrem Verhalten und in ihrer Volatilität. Deshalb ergibt es Sinn, seine Einstellungen dem jeweiligen Markt anzupassen.

Weiterführende Informationen zum Thema Trading:

Zuletzt geupdated am 09/02/2022 von Andre Witzel

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